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Die Zuschriften belegen die Relevanz des Themas Patientensicherheit und den Bedarf an übersichtlichen wie auch an ausführlicheren Informationen zum Thema. Vielen Dank an die Leserbriefschreibenden für die Anmerkungen und Ergänzungen, die auf wichtige Studien und Projekte zur Verbesserung der Patientensicherheit in Deutschland hinweisen.

Prof. Schaffartzik und Neu vermissen das Medical Error Reporting System (MERS) der Schlichtungsstellen bei der Erwähnung von Fehlerberichtssystemen. Allerdings ist das MERS der Schlichtungsstellen ein Behandlungsfehlerregister, kein Fehlerberichtssystem im eigentlichen Sinne. Diese erhalten, wie in der Arbeit dargestellt, ihre Berichte von den Leistungserbringern selbst (Mitarbeitern von Kliniken, Praxen oder Pflegeeinrichtungen) und umfassen Beinahe-Schäden, Fehler, kritische Ereignisse und manifeste Schäden. Demgegenüber umfasst das MERS der Schlichtungsstellen Fälle mit vermuteten und tatsächlichen Behandlungsfehlern, bei denen es immer zu einer Schädigung des Patienten gekommen ist (auf Grund derer sich der Patient ja überhaupt an die Schlichtungsstellen wendet). Diese Fälle werden von den Mitarbeitern der Schlichtungsstellen auf Grund der Aktenlage (zum Beispiel Gutachten) ausgewertet, in die Datenbank MERS eingegeben und ermöglichen daher andere Analysen als Fehlerberichtssysteme.

Im Falle von Fehlerberichtssystemen wird das in der Regel nicht dokumentierte Wissen von Insidern der Organisationen im Gesundheitsversorgungssystem genutzt, in einem Behandlungsfehlerregister kommen in Patientenakten dokumentierte Daten zur Analyse. Nichtsdestotrotz ist ein Register wie MERS ein weiteres (aber eben anderes) Fenster in das System hinein (1) und ermöglicht somit wichtige Erkenntnisse über unerwünschte Ereignisse und ihre Ursachen.

Dr. Tönneßen weist dankenswerter Weise auf das in der Zwischenzeit erschienene Fortbildungskonzept „Patientensicherheit“ der Bundes­ärzte­kammer (2) hin und stellt die vorbildlichen Aktivitäten des Universitätsklinikums und der medizinischen Fakultät in Magdeburg dar. Hier sei der aktuelle Hinweis auf eine neue Arbeitsgruppe Bildung und Training des Aktionsbündnis Patientensicherheit erlaubt, die sich genau dieser Thematik mit einem breiten Fokus auf alle Gesundheitsberufe widmen wird (3).

Prof. Engelhardt et al. weisen auf das vorbildliche Fehlervermeidungs-Projekt des Universitätsklinikums Freiburg hin und zeigen dabei, wie vielfältig die Aktivitäten im Bereich Patientensicherheit in Deutschland sind.

Prof. Müller-Oerlinghausen und Dr. Aly vermissen die nähere Darstellung des Aktionsplans Arznei­mittel­therapie­sicherheit. Der Aktionsplan des Bundesministeriums für Gesundheit konnte durch unseren Schwerpunkt auf „Ursachen und beitragende Faktoren medizinischer Fehler“ und die notwendige Beschränkung auf die Nennung nur weniger Maßnahmen zur Fehlervermeidung in diesem Übersichtsartikel leider keine Erwähnung finden.

Prof. Hanisch merkt an, dass in dem Übersichtsartikel nicht konkret genug auf die bereits bekannten Ursachen für menschliche Fehler eingegangen werde. Er nennt explizit Müdigkeit und Stress als die auch von der WHO benannten Faktoren mit dem größten Einfluss auf Fehleranfälligkeiten. Der negativen Bedeutung dieser Faktoren ist uneingeschränkt zuzustimmen. Müdigkeit, Stress und Zeitdruck haben insbesondere in Kliniken und Praxen mit problematischen Systemen von Organisation, Kommunikation, Ausbildung und Supervision einen möglicherweise verheerenden Einfluss auf die Patientensicherheit. Angesichts der auch uns aus eigener Erfahrung bekannten aktuellen Arbeitsbedingungen einiger Kliniken gehen wir nicht davon aus, dass Checklisten „ohne zeitlichen Mehraufwand“ (4) implementiert werden können, möchten jedoch ihren Stellenwert betonen (5), der auch darin liegt, dass klinisches Handeln transparent ist für alle Beteiligten und kommuniziert wird (6). Personalknappheit verhindert allerdings nicht grundsätzlich jede Anstrengung hin zu mehr Patientensicherheit. Möglicherweise fördert sie die Entwicklung neuer innovativer Ideen und Konzepte auch zur Erhöhung der Patientensicherheit. Diese dürfen jedoch nicht auf dem Rücken der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgetragen werden: Für die Förderung der Patientensicherheit notwendige Ressourcen müssen konsequent eingefordert und bewilligt werden.

In den zehn Jahren seit „To Err is Human“ hat sich auch in Deutschland einiges zur Verbesserung der Patientensicherheit getan. Der Übersichtsartikel und die diesen ergänzenden Zuschriften zeigen unserer Ansicht nach, dass wir auf dem richtigen Weg sind, hin zu einem lernenden Gesundheitssystem, hin zu lernenden Organisationen, die sich mit der Frage beschäftigen: Was tun wir eigentlich und mit welchen positiven und negativen Effekten?

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0559

Dr. med. Barbara Hoffmann MPH

Institut für Allgemeinmedizin

Johann Wolfgang Goethe-Universität

Theodor-Stern-Kai 7, 60590 Frankfurt am Main

E-Mail: Hoffmann@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de

Dr. med. Julia Rohe MPH

Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)

Gemeinsames Institut von BÄK und KBV

TiergartenTower

Straße des 17. Juni 106–108, 10623 Berlin

E-Mail: rohe@azq.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Vincent C: Analysis of clinical incidents: a window on the system not a search for root causes. Qual Saf Health Care 2004; 13: 242. MEDLINE
2.
Fortbildungskonzept „Patientensicherheit“ (2009): Texte und Materialien der Bundes­ärzte­kammer zur Fortbildung und Weiterbildung Band 25.
4.
Baberg HT, Burgard G: Mit Checklisten sicher kommunizieren. Management und Krankenhaus 2009; 28: 7.
5.
Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (2010) Stellungsnahme zu Checklisten in der Gesundheitsversorgung
6.
Die World Alliance of Patient Safety der WHO bietet neben der Surgery Safety Checklist auf ihrer website auch Videos an, die zeigen, wie man die Checkliste einsetzen soll und auch, wie nicht.
7.
Hoffmann B, Rohe J: Patient safety and error management — What causes adverse events and how can they be prevented? [Patientensicherheit und Fehlermanagement: Ursachen unerwünschter Ereignisse und Maßnahmen zu ihrer Vermeidung]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(6): 92–9. VOLLTEXT
1.Vincent C: Analysis of clinical incidents: a window on the system not a search for root causes. Qual Saf Health Care 2004; 13: 242. MEDLINE
2.Fortbildungskonzept „Patientensicherheit“ (2009): Texte und Materialien der Bundes­ärzte­kammer zur Fortbildung und Weiterbildung Band 25.
3.Aktionsbündnis Patientensicherheit – AG Bildung und Training
4.Baberg HT, Burgard G: Mit Checklisten sicher kommunizieren. Management und Krankenhaus 2009; 28: 7.
5.Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (2010) Stellungsnahme zu Checklisten in der Gesundheitsversorgung
6.Die World Alliance of Patient Safety der WHO bietet neben der Surgery Safety Checklist auf ihrer website auch Videos an, die zeigen, wie man die Checkliste einsetzen soll und auch, wie nicht.
7.Hoffmann B, Rohe J: Patient safety and error management — What causes adverse events and how can they be prevented? [Patientensicherheit und Fehlermanagement: Ursachen unerwünschter Ereignisse und Maßnahmen zu ihrer Vermeidung]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(6): 92–9. VOLLTEXT

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