ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1997GKV: Legitimierter Modellversuch

SPEKTRUM: Leserbriefe

GKV: Legitimierter Modellversuch

Dilschmann, Axel

Zu dem Beitrag "Kunsttherapie als Kassenschlager" von Dr. med. Lothar Krimmel in Heft 28- 29/1997:
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LNSLNS Die IKK Hamburg führt einen fünfjährigen Modellversuch zur Erprobung von Naturheilverfahren durch. Dabei werden Wirtschaftlichkeit und Effizienz der Naturheilverfahren Akupunktur, Anthroposophische Medizin, Klassische Homöopathie und Neuraltherapie erprobt. Dieser Modellversuch ist legitimiert durch § 63 SGB V a. F. Das Bundesversicherungsamt als zuständige Aufsichtsbehörde der IKK Hamburg hat diesen Modellversuch genehmigt.
Im Rahmen des Modellversuchs der IKK Hamburg können lediglich Vertragsärzte oder (in der Anthroposophischen Medizin) von Vertragsärzten beauftragte Therapeuten tätig werden. Wenn Herr Dr. Krimmel befürchtet, daß Vertragsärzte Wünschelrutenfetischisten und Voodooanhänger als "Therapeuten" beauftragen könnten, so stelle ich zweierlei fest:
« Nach den mit den Fachgesellschaften der jeweiligen Medizineinrichtungen (zum Beispiel Deutscher Zentralverband Homöopathischer Ärzte e.V., Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland e.V.) geschlossenen Kooperationsverträgen ist dies nicht zulässig.
Herr Dr. Krimmel als Vertreter der Vertragsärzte hat offenbar über seine Klientel oder Teile davon eine deutlich schlechtere Einschätzung, als ich dies als Krankenkassenvertreter habe, denn ich schließe ein solches Handeln von Vertragsärzten schlichtweg aus.
Für das Modellvorhaben der IKK Hamburg ist hinsichtlich der Qualitätssicherung festzuhalten, daß die teilnehmenden Vertragsärzte - soweit dies möglich ist - über eine entsprechende Zusatzbezeichnung verfügen und sich verpflichten müssen, an Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen in genau definiertem qualitativen und zeitlichen Umfang teilzunehmen. Die Erfüllung dieser Voraussetzungen wird durch die jeweiligen Fachgesellschaften und durch die IKK Hamburg überprüft.
Evaluation wird - wie vom Gesetz gefordert - ebenfalls betrieben; schließlich wollen wir etwas verändern. Partner der IKK Hamburg ist hierbei das Institut für Arbeits-, Sozialmedizin und Epidemiologie am Universitätsklinikum Charité der Humboldt-Universität zu Berlin.
Wo liegt eigentlich die Befürchtung von Herrn Dr. Krimmel und den vielen anderen Medizinern, die unser Modellprojekt kritisieren? Wenn die wissenschaftlichen Ergebnisse den Beweis fehlender Wirtschaftlichkeit und Effizienz dieser Naturheilverfahren erbringen, dann können die Kritiker doch froh sein und fortan mit Recht die Unterlassung alternativer Therapieformen als Kassenleistung einfordern. Die Erwartung der Kritiker dürfte aber - wohl zu Recht - eine ganz andere sein: sie befürchten, daß Wirtschaftlichkeit und Effizienz der Naturheilverfahren bewiesen werden. Das aber würde einen immensen zusätzlichen Verteilungskampf unter den einzelnen Arztgruppen zur Folge haben.
Axel Dilschmann, Vorstandsvorsitzender der Innungskrankenkasse Hamburg, Kieler Straße 464-470, 22525 Hamburg
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