ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2010Börsebius: Hitzefrei für Aktien

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Börsebius: Hitzefrei für Aktien

Dtsch Arztebl 2010; 107(31-32): A-1531 / B-1363 / C-1343

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Will mal eben nur schnell meine Aktien nachschauen.“ Ein Freund, mit dem ich gerade im Ausland weilte, packte sein nagelneues IPhone4 aus und surfte munter in den Weltfinanzmärkten umher. Einmal davon abgesehen, dass solches Tun sündhaft ins Geld gehen kann, waren die Kurse nicht so geraten, wie er es gerne gehabt hätte, und dementsprechend war dann auch sein Tag verhunzt.

Solche Leute, die selbst im Urlaub die Finger nicht von Wertpapieren lassen können, gibt es zuhauf. Ob hochmodern und wo auch immer – Apple sei Dank – oder per Verschwinden im Internetcafé, wohl immer spielt die Angst, was zu verpassen oder größere Schäden verhindern zu wollen, eine Rolle.

Diese sonderbare Hast in die Online-Welt ist gerade nach der (hoffentlich) überstandenen Finanzkrise besonders drängend. Die Fürsorge um das eigene Wertpapierdepot soll auch in den Ferien nicht brachliegen, es könnte ja dringender Handlungsbedarf bestehen. Permanente Überwachung und jederzeitige Reaktionsfähigkeit sollen Gefühle der Hilflosigkeit gleich gar nicht aufkommen lassen.

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Wenn aber die Notbremse erst am Urlaubsort gezogen werden muss, ist schon im Vorfeld und im Grundsatz einiges schiefgelaufen. Normalerweise müsste ein Portfolio so positioniert sein, dass es die paar Urlaubswochen ohne ständige Beaufsichtigung locker durchhält. Zu schaffen ist das vergleichsweise einfach. Das Depot muss nur langfristig strukturiert sein, ein vernünftiges Chance-Risiko-Profil aufweisen und nicht zu zersplittert sein.

Klingt nicht übel, aber was heißt das konkret? Unsichere Kantonisten, will heißen, Titel mit einem gehörigen Verlustpotenzial, sollten möglichst vor den schönsten Wochen des Jahres eliminiert werden. Und vor Urlaubsantritt dürfen erst recht keine Optionen oder Warrants gekauft werden. Wer ganz clever und sicher vorgehen will, sichert sein Depot mit Puts (Verkaufsoptionen) ab, damit bezahlt er eine Art Versicherungsprämie, wenn es bergab geht. Die Folge: Er verliert am Ende weniger als die anderen, die untätig geblieben sind. Und bitte, Stop-Loss-Orders sind völliger Unfug, weil Sie im Zweifel eine Aktie auf dem tiefsten Punkt verkaufen, die zehn Sekunden später wieder nach oben dreht.

Ohne Angst reist freilich auch in den Urlaub, wer Fonds kauft und damit die laufende Betreuung und Überwachung an Investmentprofis überträgt; er verzichtet aber möglicherweise auf eine bessere Rendite, da Fonds in der Regel recht hohe Kosten produzieren.

Kurzum: Den eigenen Aktien hitzefrei zu geben, ist eine klare Wohltat, immer vorausgesetzt, es kann nichts Schlimmeres passieren – dank geeigneter Vorsorge. Wer in der Gluthitze die falschen Entscheidungen trifft, weil es ihm am kühlen Kopfe mangelt, verbrennt sich am Ende noch gehörig die Finger.

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