ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2010Chronische Hyperurikämie: Eine neue Option für Gichtpatienten

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Chronische Hyperurikämie: Eine neue Option für Gichtpatienten

Dtsch Arztebl 2010; 107(31-32): A-1529 / B-1360 / C-1340

Zylka-Menhorn, Vera

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Der Nichtpurinhemmer der Xanthinoxidase ist zur Prophylaxe von Gichtanfällen bei chronischer Hyperurikämie der Erwachsenen zugelassen, die bereits Ablagerungen von Uratkristallen haben.

Nach internationalen Empfehlungen sollten Patienten mit rezidivierenden Gichtanfällen Serum-harnsäurewerte unter 360 µmol/l (6,0 mg/dl) erreichen. Neben einer purin- und alkoholarmen Ernährung sind der Xanthinoxidasehemmer Allopurinol (ein Urikostatikum) sowie die Urikosurika Benzbromaron und Probenecid in der Dauermedikation etabliert. Mit dem Wirkstoff Febuxo-
stat ist nun ein chemisch neuartiges Medikament zur Senkung des Harnsäurespiegels zugelassen worden.

Es hemmt selektiv die Xanthinoxidase. Das Enzym katalysiert den oxidativen Umbau von Hypoxan-thin zu Xanthin und weiter zu Harnsäure. Infolge der Enzymhemmung werden vermehrt Hypoxanthin und Xanthin renal ausgeschieden, so dass der Harnsäurespiegel in Blut und Urin sinkt. Allopurinol wirkt auf die gleiche Weise.

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Febuxostat (Adenuric® 80 mg und 120 mg) ist zugelassen zur Behandlung der chronischen Hyperurikämie bei Erwachsenen, die bereits Ablagerungen von Uratkristallen haben. Die Dosis beträgt einmal täglich 80 mg, unabhängig von der Nahrungsaufnahme. Sinken die Harnsäurewerte nach zwei bis vier Wochen nicht unter 6 mg/dl, kann die Tagesdosis auf 120 mg erhöht werden. Bei Patienten mit leichter Niereninsuffizienz und bei Senioren ist keine Dosisanpassung nötig; bei leichter Leberinsuffizienz jedoch sollte eine Tagesdosis von
80 mg nicht überschritten werden.

Im Rahmen einer Multicenterstudie (FACT*) über 52 Wochen an 762 Patienten wurde der Effekt von Febuxostat (80 mg oder 120 mg) gegenüber Allopurinol (300 mg) auf die Serumharnsäure, die Häufigkeit von Gichtanfällen sowie die Zahl und Größe von Gichttophi verglichen. Das Serumkreatinin durfte bei Studienbeginn 1,5 mg/d nicht überschreiten. Hauptendpunkt der Untersuchung war der Prozentsatz der Patienten, bei denen die Harnsäure auf einen Wert < 6 mg/dl gesenkt wurde (NEJM 2005; 353: 2450–61).

Bei Studienende hatten 53 Prozent der Probanden mit 80 mg und 62 Prozent derjenigen mit 120 mg Febuxostat diesen primären Endpunkt erreicht, aber nur 21 Prozent der mit Allopurinol behandelten. Die ausgemessene Fläche von Gichttophi nahm unter Febuxostat zwar deutlicher ab (83 respektive 66 Prozent) als unter Allopurinol (50 Prozent), der Unterschied verfehlte aber knapp die statistische Signifikanz.

An häufigen Nebenwirkungen wurden Leberfunktionsstörungen, Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen und Hautausschlag beobachtet. Da kardiovaskuläre Ereignisse unter Febuxostat häufiger als unter Allopurinol auftraten, sollen – so die Empfehlung – Patienten mit ischämischer Herzkrankheit oder dekompensierter Herzinsuffizienz das neue Medikament nicht bekommen. Langzeitergebnisse zur Sicherheit beziehungsweise Toxizität von Febuxostat fehlen noch. Das neue Präparat eignet sich daher vor allem für Patienten, bei denen Allopurinol nicht eingesetzt werden darf oder keine ausreichende Wirkung gezeigt hat.

Tipps für die Anwendung des Medikaments

Hat der Patient einen akuten Gichtanfall, soll die Therapie erst nach dem vollständigen Abklingen beginnen. Wie bei Allopurinol kann es unter Febuxostat bei Behandlungsbeginn zu einem Gichtanfall kommen, da infolge der Senkung der Harnsäureserumspiegel zunächst die Ablagerungen in den Geweben mobilisiert werden. Daher wird eine Anfallsprophylaxe mit nichtsteroidalen Antirheumatika oder Colchicin über mindestens sechs Monate empfohlen. Tritt dennoch ein Anfall auf, darf Febuxostat nicht abgesetzt werden. Die Dauertherapie senkt die Häufigkeit und Schwere der Gichtanfälle. zyl

*FACT = Febuxostat Versus Allopurinol Control Trial in Subjects With Gout

Fachpressegespräch „Gicht: Alte Erkrankung – neue Therapie“ von Berlin-Chemie in Berlin

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