ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1997Rückenschmerzen: Nicht abgestimmt

SPEKTRUM: Leserbriefe

Rückenschmerzen: Nicht abgestimmt

Hildebrandt, J.

Zu dem Leserbrief "Nicht unkommentiert hinnehmbar" von Dr. med. Jürgen Hettfleisch in Heft 31- 32/1997, der sich auf die "Empfehlungen zur Therapie von Rückenschmerzen" durch die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft bezog, Beilage zu Heft 22/1997:
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LNSLNS Analog zu den Problemkreisen "Chronischer Kopfschmerz" und "Tumorschmerz" wurden von einer interdisziplinären Gruppe (bestehend aus Ärzten der Fachbereiche Orthopädie, Neurochirurgie, Neurologie, Psychosomatik, Allgemeinmedizin, Anästhesie, Medizinischer Dienst der Krankenkassen) Leitlinien zur therapeutischen Versorgung von chronischem Rückenschmerz verfaßt. Diese Leitlinien wurden mit allen in der AWMF vereinigten wissenschaftlichen Fachgesellschaften abgestimmt. Deren Einwände/Verbesserungsvorschläge wurden berücksichtigt und in die Leitlinien eingearbeitet.
Anders als die Leitlinien für Kopf- und Tumorschmerz wurde dann seitens der Arznei­mittel­kommission und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie das Konzept verändert, so daß in der Beilage des DÄ neue Leitlinien veröffentlicht wurden, die mit den anderen Fachgebieten vorher nicht abgestimmt worden sind. Insofern haben diese eine geringere Bedeutung und spiegeln im wesentlichen nur die Meinung der Arznei­mittel­kommission und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie wider, bei denen sich die konservative Orthopädie - wie in dem Leserbrief von Herrn Dr. Hettfleisch angedeutet ist - nur unvollständig wiederfindet.
Zur Bedeutung der Manualtherapie in der Behandlung chronischer Schmerzen ist in dem ursprünglichen Papier der Arbeitsgruppe gesagt: "In zirka 40 bis 60 Prozent der Fälle rezidivieren akute Rückenschmerzen. Rezidivierende Rückenschmerzen bedürfen zumeist mehrmals im Jahr - unter Umständen über mehrere Jahre - analog der Behandlung akuter Schmerzen einer somatischen Therapie nach klassischem orthopädischen Verfahren (physikalische Therapie, Blockadeverfahren, manuelle Therapie). Der Schwerpunkt sollte auf edukativen Maßnahmen (Rükkenschule, Bewegungstherapie) im Sinne einer Sekundärprävention gelegt werden. Die medikamentöse Therapie hat weniger große Bedeutung."
Hier kommt zum Ausdruck, daß die Methoden der manuellen Therapie bei chronischen Rückenschmerzen somatischen Ursprungs eine größere Bedeutung haben.
Anders ist es bei chronifizierten Rückenschmerzen, bei denen die somatische Genese von untergeordneter Bedeutung ist und bei denen sowohl somatische verhaltenstherapeutische Maßnahmen (Rekonditionierung unter kontrollierten Bedingungen) als auch psychotherapeutische Maßnahmen erheblich an Bedeutung gewinnen.
Trotzdem wurde von der Arbeitsgruppe festgelegt, daß auch bei chronifizierten Rückenschmerzen sekundär erhebliche somatische Störungen auftraten (Koordinationsstörungen, Dekonditionierung, Muskelverkürzungen), die eine intensive somatische Behandlung notwendig machen.
Auch bei diesen somatischen Anteilen chronifizierter Rückenschmerzen hat die manuelle Therapie ihren Raum, ist allerdings hier mehr von untergeordneter Bedeutung hinsichtlich des therapeutischen Gesamtkonzepts.
Prof. Dr. med. J. Hildebrandt, Zentrum Anästhesiologie, Rettungs- und Intensivmedizin, Georg-AugustUniversität Göttingen, Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen


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