ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2010Kulturkalender: Mit Zeichenstift und Seziermesser

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Kulturkalender: Mit Zeichenstift und Seziermesser

Dtsch Arztebl 2010; 107(31-32): A-1528 / B-1358 / C-1338

Schuchart, Sabine

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Alle vier Wochen stellt das Deutsche Ärzteblatt eine Auswahl von herausragenden Ausstellungen vor, die Sie nicht verpassen sollten.

Foto: Pavel Feinstein, Galerie KK Klaus Kiefer, Essen/Osthaus Museum
Foto: Pavel Feinstein, Galerie KK Klaus Kiefer, Essen/Osthaus Museum

Berlin

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Bis 31. Oktober:

Bewundert, gefürchtet und begehrt

Von stiller Bewunderung bis hin zu leidenschaftlicher Ekstase reichen die Gefühle, die Emil Nolde in seinen Frauenbildnissen zum Ausdruck brachte. Ihm ging es nicht um szenische Hintergründe oder Details, sondern um die emotionale Verfassung der Porträtierten – ob Mütter, Musen oder Modelle, Ehefrauen oder leichte Mädchen, Heilige oder Sünderinnen. Die Meisterschaft und Vielfalt seiner Frauendarstellungen erschließt sich im Dialog zwischen den mehr als 50 Nolde-Exponaten der Ausstellung sowie deren Gegenüberstellung mit Werken von Böcklin, Fischl, Munch, Picasso und Warhol.

Nolde-Stiftung Seebüll, Dependance Berlin, Jägerstraße 55, tgl. 10–19 Uhr

Hagen

10. August bis 19. September:

Pavel Feinstein

Auch wenn der 1960 in Moskau geborene Künstler, der in Berlin lebt und arbeitet, mit Aktbildern (Foto oben), Porträts, Stillleben, Tier- und Historiengemälden traditionelle Bildgattungen und Darstellungsweisen aufgreift, geht er doch darüber hinaus und vermag den Betrachter zu irritieren. In seinen Stillleben etwa schweben melancholische Fische. Man sieht einen Fisch, aber erkennt doch eine menschliche Physiognomie. Von hoher malerischer Qualität sind auch Feinsteins Bilder nackter menschlicher Körper, die an Lucian Freud erinnern, aber zurückhaltender, weniger ausgedeutet sind.

Osthaus Museum Hagen, Museumsplatz 1, Di.–Fr. 10–17, Sa./So. 11–18 Uhr

Köln

Bis 9. Januar 2011:

Fotografien des 19. Jahrhunderts

Die Einblicke in japanische und chinesische Lebenswelten des 19. Jahrhunderts faszinieren heute ebenso wie früher. Nicht nur, weil sie den Reiz des Exotischen haben, sondern auch, weil sie jahrhundertealte Lebenstraditionen auferstehen lassen: Die ausgestellten Fotos zeigen zum Beispiel eine Japanerin im Kimono, die in einer Reisesänfte getragen wird oder einen Besenverkäufer, der seine handgefertigten Reisigbesen feilbietet. Es sind – oft zart kolorierte – Aufnahmen, die Reisende und Einheimische in China und Japan machten. Sie stammen aus der Sammlung Robert Lebeck und dem Reisealbum des Bremer Kaufmanns Julius Menke.

Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Di.–So. 10–18, 1. Do. im Monat 10–22 Uhr

Regensburg

Bis 3. Oktober:

Alfred Kubins Nebenwelten

Mehr als 100 Arbeiten aus allen Schaffensperioden geben einen Überblick über das virtuose zeichnerische Œuvre eines besonders eigenwilligen Vertreters der klassischen Moderne: Alfred Kubin. Der 1877 in Nordböhmen geborene Künstler thematisierte vor allem die dunklen Seiten des Daseins: Fantastische Naturwesen, Waldgeister und Kobolde bevölkern seine Zeichnungen und Aquarelle, androgyne Zwitter und überzüchtete Kreaturen geben sich ein Stelldichein – untermalt von Kubins typischem Galgenhumor.

Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Dr.-Johann-Maier-Straße 5,
Di.–So. 10–17, Do. 10–20 Uhr

STUTTGART

Bis 1. November:

„Nur Papier, und doch die ganze Welt“

Zum 200-jährigen Jubiläum ihrer Grafischen Sammlung präsentiert die Staatsgalerie in neun Sälen mehr als 300 Arbeiten auf und mit Papier – neben Zeichnungen, Aquarellen und Druckgrafiken auch einige illustrierte Bücher, Mappen, Kollagen und Editionen. Die Kuratoren konnten aus der Fülle der rund 400 000 Blätter umfassenden Stuttgarter Kollektion, eine der reichsten Sammlungen in Deutschland, schöpfen. Das Ergebnis ist eine exquisite, zum Teil überraschende Zusammenstellung herausragender Werke von den Alten Meistern bis zur Gegenwart, die auch bei öfterem Besuch immer wieder neue Entdeckungen verspricht.

Staatsgalerie, Konrad-Adenauer-Straße 30–32, Mi./Fr./Sa./So. 10–18, Di./Do. 10–20 Uhr

Sabine Schuchart

Der Besondere Tipp

Kunst und Anatomie

Jean-Antoine Houdons Skulptur eines Muskelmanns von 1767 (rechts), die in ihrer Detailtreue selbst Medizinern als Anschauungsmaterial diente, und das Präparat der Leiche eines zwölfjährigen Kindes (Paris 1723, unten) gehören zu den Exponaten einer spannenden Ausstellung in Gotha. Sie zeigt den Zusammenhang zwischen der künstlerischen Abbildung des Körpers und anatomischem Wissen auf. Anhand von Stücken des hauseigenen Naturalienkabinetts sowie Präparaten, medizinischen Utensilien und bedeutenden Kunstwerken wird dargestellt, wie sich Kunst und Medizin über die Jahrhunderte wechselseitig beeinflussten. Im Mittelpunkt steht die Zeit von der Renaissance, als auch Künstler erstmals zum Seziermesser griffen, bis zum 19. Jahrhundert. Schirmherr der Ausstellung ist Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer, der am 26. August einen Vortrag über „Die Bedeutung der Medizin in der bildenden Kunst“ hält.

„Anatomie – Gotha geht unter die Haut“: Schloss Friedenstein, 99867 Gotha, www.stiftungfriedenstein.de, Di.–So. 10–17 Uhr (bis 24. Oktober).

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