ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2010Embryonaltoxikologie: Mehr kongenitale Fehlbildungen durch Valproat

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Embryonaltoxikologie: Mehr kongenitale Fehlbildungen durch Valproat

Dtsch Arztebl 2010; 107(31-32): A-1519 / B-1349 / C-1329

Siegmund-Schultze, Nicola

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Gut belegt ist, dass bei Kindern, deren Mütter im ersten Trimester der Schwangerschaft Valproat eingenommen haben, häufiger Spina bifida auftritt. Weniger klar war bislang, ob die Valproat-Einnahme auch mit anderen Fehlbildungen assoziiert ist. Diese Frage hat die Antiepileptika-Studiengruppe des EUROCAT-Registers (European Surveillance of Congenital Anomalies) untersucht. Die Forscher haben 3 881 592 Datensätze von lebend- oder totgeborenen Kindern und Feten, die nach 20 Schwangerschaftswochen starben, aus dem EUROCAT-Register auf 14 Fehlbildungen (inklusive Spina bifida) analysiert. 37 154 Kinder und Feten hatten solche Fehlbildungen („Fälle“), 39 472 hatten andere Fehlbildungen (Kontrolle 1) und 11 763 hatten Fehlbildungen mit Chromosomenanomalien (Kontrolle 2). Im Vergleich zu Frauen ohne Antiepileptikatherapie war die Einnahme von Valproat assoziiert mit einem signifikant erhöhten Risiko für Spina bifida um den Faktor 12,7, Vorhof-septumdefekte um den Faktor 2,5, Gaumenspalten um das 5,2-fache, Hypospadien um den Faktor 4,8, Kraniosynostosis um 6,8 und Polydaktylie um den Faktor 2,2. Auch verglichen mit anderen Antiepileptika war das Risiko für diese Fehlbildungen unter Valproat erhöht, ausgenommen Kraniosynostosis.

Fazit: Dieser Studie zufolge ist die Gabe von Valproinsäure mit einem signifikant erhöhten Risiko für weitere Fehlbildungen außer Spina bifida assoziiert, auch im Vergleich zur Einnahme anderer Antiepileptika. „Valproinsäure sollte bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht angewandt werden“, sagt Priv.-Doz. Dr. med Christof Schaefer vom Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie in Berlin. Ausgenommen seien anderweitig therapierefraktäre schwere Formen eines Krampfleidens. Es gebe immer wieder ungeplante Schwangerschaften, bei denen eine Absprache zwischen Fachärzten über eine Therapieumstellung vor einer möglichen Schwangerschaft oder vor Beginn der Pubertät nicht erfolgt war. Die zu empfehlende Gegenanzeige sei aber keine Empfehlung zur zwangsläufigen Erörterung einer Abruptio: Circa 90 Prozent der Valproat-exponierten Kinder hätten keine größeren Fehlbildungen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Jentink J et al.: Valproic acid monotherapy in pregnancy and major congenital malformations; NEJM 362; 2010: 2185–93.

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