ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2010„Themba“: Kein Fußballmärchen
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Der Film zeigt Afrika aus Kinderaugen und entpuppt sich als schonungsloser Einblick in eine Kultur, an der die Krankheit Aids wie ein Schatten haftet.

Fußball und Afrika – zwei Begriffe, mit denen man in diesem Jahr das große Kribbeln der Weltmeisterschaft verbindet. Fußball und Aids – das klingt schon ganz anders. So lauten die zentralen Themen des Films „Themba“, der dem Zuschauer einen Einstieg über den kulturübergreifenden Weltsport ermöglicht, um ihn dann mit der harten Realität Afrikas zu konfrontieren. Die deutsche Regisseurin Stefanie Sycholt findet eine Balance zwischen spannender Unterhaltung und bitterernster Aussage. Was in der Fußballeuphorie unterging, kommt in diesem Film zur Sprache: die Lebensrealität außerhalb der nagelneuen Stadien im von Aids und Armut geplagten Gastgeberland Südafrika.

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Der Plot ist simpel: Der elfjährige Themba lebt mit Mutter und Schwester in armen Verhältnissen in einem kleinen Dorf im Ostkap. Wie alle Jungen in dem Alter sind auch er und seine Freunde vernarrt ins runde Leder. Doch abseits der heilen Welt des Bolzplatzes überschlagen sich die Ereignisse, als Thembas Mutter ihn und seine Schwester mit ihrem arbeitslosen Freund Luthando zurücklässt, um in Kapstadt Geld zu verdienen.

Die in Südafrika geborene Regisseurin und der Produzent Michael Souvignier greifen mit „Themba“ Tabuthemen auf, die auf der großen Leinwand bislang selten zur Sprache gekommen sind. Souvignier hat damit bereits Erfahrung, hat er doch vor drei Jahren mit der Produktion des Fernsehzweiteilers über den Contergan-Skandal für Aufsehen gesorgt. In Englisch und der südafrikanischen Bantusprache der Xhosa gedreht, nähert sich der Film dem Thema Aids schleichend, aus der Perspektive eines Kindes. Diese ungewöhnliche Sicht ermöglicht es, Verständnis dafür zu entwickeln, wie sich das tödliche Virus noch heute so rasch verbreiten kann. Nat „Junior“ Singo spielt die Hauptfigur und vermittelt auf eindringliche Weise, wie Angst und Scham den Umgang mit der Krankheit erschweren.

Obwohl sich die Filmbesetzung zu großen Teilen aus jungen Laiendarstellern zusammensetzt, liefert das Ensemble eine überzeugende Leistung. Mit Simphiwe Dana als Mutter Mandisa und Patrick Mofokeng als Luthando haben die Filmemacher zudem zwei Größen südafrikanischer Schauspielkunst besetzt. Aber auch deutsche Prominenz ist vertreten: Den Fußballtrainer John Jakobs spielt Jens Lehmann. Lehmann, der bereits als Moderator Kameraerfahrung gesammelt hat, schlägt sich gut in seiner ersten Kinorolle. Abgesehen von diesem Starfaktor gibt es zahlreiche Gründe für das Lösen einer Kinokarte: „Themba“ erzählt in satten Farben eine spannende, tragische und facettenreiche Geschichte. Der Film ist am 5. August in den deutschen Kinos angelaufen.

David Lensing

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