ArchivDeutsches Ärzteblatt31-32/2010Harnblasentumordiagnostik: Blaues statt weißes Licht

TECHNIK

Harnblasentumordiagnostik: Blaues statt weißes Licht

Dtsch Arztebl 2010; 107(31-32): A-1530 / B-1362 / C-1342

EB

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Die Universitätsmedizin Göttingen nutzt ein neues fotodynamisches Verfahren zur Erkennung und Behandlung von oberflächlichen Harnblasenkrebsformen.

Oberflächlicher Blasentumor, aufgenommen mit der Standard-Weißlicht-Zystoskopie: Der Krebs ist zu erkennen (Abbildung links). Rechts: Derselbe oberflächliche Blasentumor, aufgenommen mit der Blaulicht-Zystoskopie. Zu sehen sind der Tumor und seine Ausläufer. Fotos: umg
Oberflächlicher Blasentumor, aufgenommen mit der Standard-Weißlicht-Zystoskopie: Der Krebs ist zu erkennen (Abbildung links). Rechts: Derselbe oberflächliche Blasentumor, aufgenommen mit der Blaulicht-Zystoskopie. Zu sehen sind der Tumor und seine Ausläufer. Fotos: umg

Die Abteilung Urologie an der Universitätsmedizin Göttingen setzt seit Ende 2009 eine neue Methode zur Diagnose und Behandlung von Blasenkrebs ein. Das Verfahren nutzt die Kombination von Blaulicht und einer fotoaktiven Substanz, dem Hexaminolevulinat (Hexvix). „Die zusätzliche fotodynamische Diagnostik mit Hexaminolevulinat hilft uns, Blasenkrebs sehr viel besser und genauer als mit dem bisherigen Standardverfahren zu erkennen. Unter dem blauen Licht leuchtet nun der Blasenkrebs erkennbar. Er lässt sich damit von der gesunden Blasenschleimhaut unterscheiden. Der Vorteil: Bösartige Veränderungen, die wir sehen, lassen sich auch gleich entfernen“, erläuterte Prof. Dr. Rolf-Hermann Ringert, Direktor der Abteilung Urologie.

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Als „Goldstandard“ in der Diagnostik des Blasenkrebses gilt bisher die Kombination von Zytologie und Weißlicht-Zystoskopie. 45,6 Prozent der Patienten mit einem oberflächlichen Harnblasenkrebs erleiden nach einer Behandlung jedoch einen Rückfall. Die Weißlicht-Zystoskopie ist daher nach Meinung der Göttinger Urologen für den Nachweis aller Blasentumoren nicht optimal, weil sich damit nicht alle bösartigen Veränderungen entdecken lassen.

Die neue Methode, die „Hexaminolevulinat-Fluoreszenzzystoskopie“, verwendet blaues statt weißes Licht. Herzstück ist das Hexaminolevulinat, das etwa eine Stunde vor der bisherigen Standardtherapie durch einen Katheter in die Blase eingebracht wird. Die Krebszellen der Harnblase nehmen die fotoaktive Substanz auf. Durch die verstärkte Ansammlung fotoaktiver (fluoreszierender) endogener Porphyrine leuchten die Tumoren unter blauem Licht rot und heben sich von der gesunden Blasenschleimhaut ab.

Damit lässt sich der gefährliche oberflächliche Harnblasenkrebs, das Carcinoma in situ (CIS), genauer erkennen. Diese Sonderform des Blasenkrebses macht zehn Prozent aller oberflächlichen Harnblasenkrebse aus. Sie zeigt sich als flach im Schleimhautniveau gelegene Läsion, die zystoskopisch oft nur schwer sichtbar ist. Dies belegen die Ergebnisse einer prospektiven, randomisierten Multicenterstudie mit 766 Patienten weltweit. Sämtliche Patienten dieser Studie waren an einem oberflächlichen Harnblasenkrebs erkrankt. In 46 Prozent der Fälle wurde das gefährliche CIS-Karzinom mit der Blaulicht-Methode besser erkannt. Dadurch konnte die Rückfallrate um elf Prozent gegenüber der Standardzystoskopie verringert werden. EB

Informationen: Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität, Abteilung Urologie, www.urologie.uni-goettingen.de

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