ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2010Psychoanalyse: Eindrückliche Selbstzeugnisse

BÜCHER

Psychoanalyse: Eindrückliche Selbstzeugnisse

PP 9, Ausgabe August 2010, Seite 371

Steger, Florian

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ludger Hermanns legt im achten Band der von ihm seit 1992 kontinuierlich herausgegebenen Psychoanalyse-Selbstdarstellungen vier Eigenporträts von Psychoanalytikern vor, die alle der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung (IPV) angehören. Die Publikation erscheint zeitlich passend zum 100-jährigen Gründungsjubiläum der IPV.

Marion Oliner und Yecheskiel Cohen wurden als Juden aus Deutschland vertrieben und hatten schwierige Jahre der Verfolgung in den USA zu überstehen, bis sie nach Israel kamen. Beiden ist gemeinsam, dass sie über zufällige beziehungsweise logisch folgende Umwege Psychoanalytiker wurden. Erst spät in ihren Leben knüpften sie wieder an Deutschland an. Karl König hat in der Nachkriegszeit durch die Flucht aus dem Sudetenland lange Wanderungen in Mitteleuropa auf sich genommen. Dagegen wuchs Peter Kutter in der schwäbischen Provinz auf. König und Kutter setzen sich in den Selbstdarstellungen mit dem nationalsozialistischen Erbe ihrer Generation auseinander. Beide sind mit der Gruppenanalyse in Theorie und Praxis vertraut, beide waren den Freuden und besonderen Anforderungen einer Lehr- und Forschungstätigkeit an deutschen Universitäten ausgesetzt. Alle vier Autoren haben ungefähr das gleiche Alter (um den Jahrgang 1930) und gewähren in ihren selbstreflexiven Schilderungen Einblick in ihr Innenerleben. Wenn alle vier auch einen engen Bezug zu Deutschland haben und wenn sie auch ungefähr gleich alt sind, haben sie international doch individuelle Wege mit verschiedenen Herausforderungen beschritten, und jeder für sich hat zu einer psychoanalytischen Identität gefunden.

Anzeige

Es ist das große Verdienst dieser Reihe, durch die von Psychoanalytikern Zeit ihres Lebens verfassten Selbstdarstellungen unmittelbaren Anteil an ihren Leben zu erhalten. Damit ist es Hermanns wieder einmal gelungen, für die Psychoanalyse eindrückliche Selbstzeugnisse zur Verfügung zu stellen, die auch wissenschaftshistorisch ertragreiche Quellen darstellen. Florian Steger

Ludger M. Hermanns (Hrsg.): Psychoanalyse in Selbstdarstellungen. Band VIII. Beiträge von Yecheskiel Cohen, Karl König, Peter Kutter, Marion Oliner. Brandes & Apsel, Frankfurt/Main 2010, 252 Seiten, kartoniert, 19,90 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema