ArchivDeutsches Ärzteblatt PP8/2010Weiterbildung: Kaum Interesse an Psychoanalyse

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Weiterbildung: Kaum Interesse an Psychoanalyse

PP 9, Ausgabe August 2010, Seite 370

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Die weltweite Zunahme psychischer Erkrankungen erfordert entsprechend qualifiziertes Fachpersonal. Allerdings könnte es schon bald wegen Nachwuchsmangels zu Engpässen in der psychotherapeutischen Versorgung kommen. Verantwortlich dafür ist unter anderem das nachlassende Interesse von Studierenden an einer psychotherapeutischen Weiterbildung. Zu diesem Ergebnis kommt ein Wissenschaftlerteam des Sigmund-Freud-Instituts Frankfurt/M. und der Universitäten Leipzig, Mainz und Heidelberg, das eine Umfrage unter 679 deutschen Studierenden der Fächer Medizin, Psychologie, Pädagogik und Sozialpädagogik zum Interesse an einer kassenärztlich anerkannten Psychotherapieausbildung durchgeführt hat. 70 Prozent der Psychologiestudierenden äußerten größeres Interesse, allerdings nur 45 Prozent der Pädagogik- und Sozialpädagogik- und 16 Prozent der Medizinstudierenden. Die meisten Psychologiestudierenden würden eine verhaltenstherapeutische Weiterbildung wählen. In den pädagogischen Studiengängen bestand vor allem Interesse an psychodynamischen Verfahren/Psychoanalyse. Bei den Medizinern war das größte Interesse an einer gesprächspsychotherapeutischen, das geringste an einer psychoanalytischen Ausbildung zu verzeichnen. Die Autoren vermuten, dass Kenntnisstand, Studieninhalte und wissenschaftliche Ausrichtung des Studiums für die unterschiedlichen Präferenzen verantwortlich sind. Beispielsweise herrschen im Psychologiestudium ein eher naturwissenschaftliches Wissenschaftsverständnis und eine schwerpunktmäßige Vermittlung kognitiv-verhaltenstherapeutischer Inhalte vor, was das verstärkte Interesse von Psychologiestudierenden an einer verhaltenstherapeutischen Weiterbildung erklären könnte. Allgemein bemängeln die Studierenden einen zu geringen Praxisbezug und eine wenig fundierte Darstellung verschiedener Verfahren im Studium, was eine Entscheidung für eine psychotherapeutische Richtung und für den Psychotherapeutenberuf erschwert. ms

Lebiger-Vogel J et al.: „Da wirst du ja auch bekloppt bei“. Zum psychotherapeutischen Weiterbildungsinteresse Studierender. Forum der Psychoanalyse 2009; 25(3): 283–97.
Judith Lebiger-Vogel, Sigmund-Freud-Institut Frankfurt, Myliusstraße 20, 60323 Frankfurt am Main, E-Mail: j.vogel@sigmund-freud-insti tut.de

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