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Methodisch weist die Arbeit gravierende Mängel auf. Bei 72,9 Prozent der Patienten fehlen präoperative Daten zur Lebensqualität und Sexualität; für die Zeitspanne von zwei Jahren nach der Operation sind für nur 18 Prozent der Patienten Daten vorhanden, was die Evidenz der Studie einschränkt. Die Studie ist weder als prospektiv noch als retrospektiv einzuordnen.

Die verwandten Fragebögen werden den sexuellen Funktionsstörungen beider Geschlechter nicht gerecht. Besser geeignet sind der Female Sexual Function Index (FSFI) und der International Index of Erectile Function (IIEF). Sexualitätsrelevante Innervationsstörungen der Frau lassen sich an vaginaler Sensibilität, Temperaturempfinden, Vibrationsempfinden, vaginaler Orgasmusfähigkeit sowie Lubrifikation ermitteln (1).

Die über zwei Jahre unverändert fortbestehende erektile Dysfunktion (ED) des Mannes ist ein bekanntes Problem auf das bereits präoperativ hingewiesen werden sollte. Eine frühzeitige Problemlösung und Beratung ist zu fordern. Die Annahme der Autoren, dass eine adjuvante Radiotherapie keine Auswirkungen auf ED hat, ist methodisch nicht zu beantworten, da zur Beurteilung Nachsorgezeiträume von mehr als 2 Jahren zu fordern sind (2).

Die Beurteilung der mit der FSD häufig simultan verlaufenden Blasenentleerungsstörung durch postoperative Restharnmessung und ein Miktionsprotokoll ist hingegen klinisch einfach nachvollziehbar (3).

Wir haben unter vergleichbarer Fragestellung 58 Männer mit Rektumkarzinom evaluiert. Die Patienten sind stadiengerecht mit tiefer anteriorer Rektumresektion (AR) oder abdominoperinealen Rektumexstirpation (APR) unter Verwendung der Wasserstrahldissektion behandelt worden. Die mittlere Nachsorge betrug 35 Monate. Der Einfluss auf Sexualität und Blasenentleerung ist aus Interviews anhand validierter Fragebögen (International Prostata Symptome Score [IPSS], [IIEF-5]) erhoben worden.

Eine therapiebedürftige Blasenentleerungsstörung wurde unter Einsatz der Wasserstrahldissektion unabhängig vom Operationsverfahren nicht beobachtet. Eine behandlungsbedürftige ED trat postoperativ bei 9 von 58 Patienten auf (15 Prozent). Die Wasserstrahldissektion in der Rektumkarzinomchirurgie ermöglicht neben einem geringeren Blutverlust eine verbesserte Neuroprotektion sexualitätsrelevanter Strukturen.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0573a

Prof. Dr. med. Peter Goretzki, Dr. med. Bernhard Lammers,

Dr. med. Aristotelis Touloumtzidis

Prof. Dr. med. Thomas Otto

Urologische Klinik

Städtische Kliniken Neuss

Lukaskrankenhaus GmbH

Preußenstraße 84

41464 Neuss

E-Mail: thomas_otto@lukasneuss.de

1.
Otto T, Bornemeyer K, Bagner J W, El-Baz A G, Wishahi M, Otto W: Operative treatment of female urinary incontinence with particular considerations of sexuality according to anatomical findings. Akt Urol 2007; 38: 33–7. MEDLINE
2.
Frumovitz M, et al.: Quality of life and sexual functioning in cervical cancer survivors. J Clin Oncol 2005; 23: 7428–36. MEDLINE
3.
Junginger T, Kneist W, Borschitz T: Totale Mesorektumexzision kann urogenitale Dysfunktionen vermeiden. Dtsch Arztebl 2004; 101(46): A 3106–3110. VOLLTEXT
4.
Schmidt C, Daun A, Malchow B, Küchler T: Sexual impairment and its effects on quality of life in patients with rectal cancer [Einschränkungen der Sexualität und ihr Einfluss auf die Lebensqualität bei Patienten mit Rektumkarzinom]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(8): 123–30.
VOLLTEXT
1.Otto T, Bornemeyer K, Bagner J W, El-Baz A G, Wishahi M, Otto W: Operative treatment of female urinary incontinence with particular considerations of sexuality according to anatomical findings. Akt Urol 2007; 38: 33–7. MEDLINE
2.Frumovitz M, et al.: Quality of life and sexual functioning in cervical cancer survivors. J Clin Oncol 2005; 23: 7428–36. MEDLINE
3.Junginger T, Kneist W, Borschitz T: Totale Mesorektumexzision kann urogenitale Dysfunktionen vermeiden. Dtsch Arztebl 2004; 101(46): A 3106–3110. VOLLTEXT
4.Schmidt C, Daun A, Malchow B, Küchler T: Sexual impairment and its effects on quality of life in patients with rectal cancer [Einschränkungen der Sexualität und ihr Einfluss auf die Lebensqualität bei Patienten mit Rektumkarzinom]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(8): 123–30.
VOLLTEXT

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