ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2010Einflüsse des therapeutischen Umfelds
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Placebo-Wirkungen sind im Rahmen von Arzneitherapien allgegenwärtig. Dennoch werden sie in der Praxis eher verschwiegen wahrgenommen. Die sachliche Auseinandersetzung mit der Entstehung und Realisierung von Placebo-Effekten erleichtert deren Einbindung in die Schulmedizin zum Nutzen der Patienten. Über Geschichte und Wirkmechanismen hinaus hätte man sich in dem Beitrag vielleicht noch eine praxisbezogene Auflistung von Arzneimittel-Anwendungsgebieten gewünscht, bei denen die Einflüsse des therapeutischen Umfelds besonders hoch ins Gewicht fallen. Quantitative Daten dazu lassen sich aus gezielten Metaanalysen placebo-kontrollierter Studien gewinnen. Anstelle der sonst üblichen Differenz zwischen Verum und Placebo ist dabei die Relation der Effektstärken zwischen den beiden Behandlungsarmen zu bewerten. Ergebnisse in diesem Sinne bei zehn typischen Anwendungsgebieten der komplementären Phytotherapie wurden kürzlich auch in dieser Zeitschrift dargestellt (1). Unter optimalen Rahmenbedingungen wurden bei symptomatischen Arzneibehandlungen von Dysmenorrhoen, akuten Infekten der oberen Atemwege, Angstzuständen, Symptomen bei benigner Prostata-Hyperplasie, Reizdarm-Syndromen, Depressionen, Krampfaderleiden, Schlafstörungen, Schmerzzuständen und Demenzen maximal zwischen 60 und 100 % der Verum-Effektstärken auch unter Placebo erzielt. Statistische Datenvergleiche dieser Art werden bei den klinischen Studien primär meist nicht vorgelegt, weil sie zum Zwecke der Arzneimittelzulassung eher kontraproduktiv wären. Zur Wertschätzung in der praktischen Therapie der drei Einflussgrößen „pharmakologisch bedingte Wirksamkeit“, „Unbedenklichkeit“ und „Kosten der Therapie“ sind solche Analysen aber von erheblicher Bedeutung. Gewinnen doch die zwei letztgenannten Faktoren in gleichem Maße an Bedeutung, wie der erstgenannte zur Randfunktion wird.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0568b

Prof. Dr. med. Volker Schulz

Oranienburger Chaussee 25

13465 Berlin

E-Mail: V.Schulz.Berlin@t-online.de

1.
Schulz V, Kraft K: Phytotherapie – Eine erhaltenswerte Alternative. Dtsch Arztebl 2009; 106: 21–3. VOLLTEXT
2.
Breidert M, Hofbauer K: Placebo: Missunderstandings and prejudices [Placebo: Missverständnisse und Vorurteile]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 751–5. VOLLTEXT
1.Schulz V, Kraft K: Phytotherapie – Eine erhaltenswerte Alternative. Dtsch Arztebl 2009; 106: 21–3. VOLLTEXT
2.Breidert M, Hofbauer K: Placebo: Missunderstandings and prejudices [Placebo: Missverständnisse und Vorurteile]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 751–5. VOLLTEXT

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