ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2010Emanzipierende Therapien
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Ein sehr wichtiges Thema, die Studien belegen die Notwendigkeit der Droge Arzt: Therapie in „Verbindung mit einem emphatischen, vertrauensvollen Gespräch“. Dieses nicht zu tun, entspräche aus meiner Sicht einem ärztlichen Kunstfehler. Richtigerweise weist der Autor hin auf die ethische Fragwürdigkeit der Heilung durch „einen dem Patienten nicht bekannten Scheintatbestand“, wie es in der „Alternativ- und Komplementärmedizin“ vorzukommen scheint. Ich bin Arzt für „Naturheilverfahren“ und habe mit einer Arbeitsgruppe der Berliner Ärztekammer vor 20 Jahren fünf Kriterien herausgearbeitet, damit nicht Scheintatbestände die Grundlage sind. Therapien sollten emanzipierend sein, möglichst einfach, möglichst natürlich, einem wissenschaftlichen/rationalen Prinzip folgen und partnerschaftlich vermittelt sein. Wenn man diese Kriterien konsequent anwendet, fallen bestimmte Therapieansätze weg, die ich hier nicht weiter aufführen will. Die klassischen Naturheilverfahren – ich betone die „klassischen“ – genügen diesen Kriterien. Mit diesen lässt sich abgesehen davon, wenn die Schulmedizin ihren wichtigen Platz hat, die Droge Arzt guten Gewissens kombinieren. Für dieses ärztliche empathische, vertrauensvolle Gespräch müssen dann aber auch die finanziellen Ressourcen bereitgestellt werden. Das passiert nicht – wie nach der jüngsten EBM-Reform – wenn die Scheinzahl zählt und Großpraxen begünstigt werden, während die kleineren Praxen aus dem Kassensystem in die IGeL-Ebene herausgedrängt werden und Patienten dort vermehrt mit „Scheintatbeständen“ therapiert werden, die – wegen ihres „Markennamens“ – nachgefragt werden. Die Lösung wäre eine Bezahlung der wirklichen ärztlichen Arbeitszeit im zum Beispiel Viertelstundentakt bis zu einer dreiviertel Stunde. Das hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung seit 26 Jahren nicht hinbekommen, seit ebenso vielen Jahren wird es von mir gefordert.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0569a

Wilhelm Breitenbürger

Schlesische Straße 32

10997 Berlin

1.
Breidert M, Hofbauer K: Placebo: Missunderstandings and prejudices [Placebo: Missverständnisse und Vorurteile]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 751–5. VOLLTEXT
1.Breidert M, Hofbauer K: Placebo: Missunderstandings and prejudices [Placebo: Missverständnisse und Vorurteile]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 751–5. VOLLTEXT

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