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In übersichtlicher Weise stellen die Autoren dar, wie bei der Verabreichung eines Medikamentes die Gesamtwirkung einerseits durch spezifische pharmakologische Effekte, andererseits durch eine „allgemeine Wirkung von Placebo- oder Medikamentengabe“ entsteht. „Im Rahmen einer schulmedizinischen Therapie gehört der Placeboeffekt zu einem wichtigen Werkzeug des Arztes“, so das Resümee.

Vor diesem „Resümee“ bleibt der Leser jedoch verwundert am Abschnitt „Therapie mit Placebos“ hängen, in dem ausgeführt wird: „Placeboeffekte machen sehr wahrscheinlich einen Teil, wenn nicht die Gesamtheit der Wirkung von Alternativ- und Komplementärmedizin aus (...). Da die bewusste Verabreichung eines Placebos zu therapeutischen Zwecken aber einen dem Patienten nicht bekannten Scheintatbestand schafft, ist aus grundsätzlichen, aber auch standesrechtlichen Überlegungen zu prüfen, ob eine gezielte Placebogabe nicht eine ethisch in jedem Einzelfall zu begründende Täuschung des Patienten darstellt (...).“

Diese Stellungnahme kommt der Forderung nach einem Berufsverbot für Alternativ- und Komplementärmediziner gleich. Woher kann sich diese unverhohlene Aufforderung speisen, alle ärztliche Bemühung außerhalb der Schulmedizin als für den Patienten schädlich zu ächten? Aus der Beobachtung der Behandlungserfahrung dieser Kollegen und ihrer tatsächlichen Ergebnisse wohl nicht. Eher geht es um den Alleinvertretungsanspruch einer Medizin, deren geistige Ausrichtung die „Deutsche Industrie Norm“ darstellt, die alle „weichen“ Daten wie die unbeschreibliche und unkalkulierbare Arzt-Patient-Beziehung als störende Einflussfaktoren so weit wie möglich eliminieren will. Ein durch Humanität geprägtes Bild von der Tätigkeit des Arztes sollte auch die selbstkritische und kollegiale Auseinandersetzung um die bestmögliche Versorgung des Patienten umfassen.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0569b

Dr. med. Reinhard Rapp

Seelbergstraße 16

70372 Stuttgart

E-Mail: dr.reinhard.rapp@arcor.de

1.
Breidert M, Hofbauer K: Placebo: Missunderstandings and prejudices [Placebo: Missverständnisse und Vorurteile]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 751–5.
VOLLTEXT
1.Breidert M, Hofbauer K: Placebo: Missunderstandings and prejudices [Placebo: Missverständnisse und Vorurteile]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 751–5.
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