ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2010Ergebnisse manipulierbar
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Seit einigen Jahren verfolge ich Diskussionen zu Placebowirkungen. Mittlerweile bin ich geneigt, in der Placebowirkung bei einer Studie nichts anderes zu sehen, als einen Indikator für die Regulationsfähigkeit der Probanden oder nennen wir es Selbstheilungskräfte, die im betreffenden Patientenkollektiv vorhanden sind. Zeigen sich also in unterschiedlichen Studien Placebowirkungen von 7 bis 49 %, so würde ich interpretieren, dass nicht nur Regression zur Mitte und Spontanverlauf eine Rolle spielen, sondern darüber hinaus mal wenige und mal viele Patienten mit normaler Regulationsfähigkeit in die Placebogruppe geraten sind.

Die Autoren vermuten, dass Placeboeffekte beinahe die Gesamtheit der Wirkung von Alternativ- und Komplemetärmedizin ausmachen und fragen, ob eine gezielte Placebogabe nicht eine Täuschung des Patienten darstellt. Gleichzeitig empfehlen sie jedoch, dass der Placeboeffekt als wichtiger Bestandteil der Schulmedizin auch bei der Behandlung mit wirksamen Medikamenten bewusst eingesetzt werden soll. Den Autoren möchte ich die Frage stellen, warum der Einsatz des Placebos in der Schulmedizin zu befürworten und in der Komplementärmedizin verwerflich sei?

Ich meine, ein absichtlicher Einsatz eines Placeboeffektes birgt die Gefahr, dass zum Beispiel in einer klinischen Phase-III-Studie die Ergebnisse manipulierbar werden. Genauso wäre es abzulehnen, wenn Alternativmediziner ihre Patienten bewusst mit Placebos behandelten. Würden sie sich umfangreichen Zusatzweiterbildungen und Literaturstudien widmen, wenn sie den Verdacht hätten, mit Placebo zu arbeiten? Bisher konnte kein „Curaboeffekt“ gezeigt werden. Nur weil wir ein Wirkprinzip nicht verstehen, ist es noch lange kein Placebo.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0570a

Dr. med. Petra Reimann

Maximiliankorso 3

13465 Berlin

E-Mail: petra.reimann@gmx.net

1.
Breidert M, Hofbauer K: Placebo: Missunderstandings and prejudices [Placebo: Missverständnisse und Vorurteile]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 751–5. VOLLTEXT
1.Breidert M, Hofbauer K: Placebo: Missunderstandings and prejudices [Placebo: Missverständnisse und Vorurteile]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 751–5. VOLLTEXT

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