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In dem Artikel schreiben die Autoren, dass die Placebowirkung maßgeblich von der Erwartungshaltung des Patienten sowie von „Kontextfaktoren“ wie Empathie und Zuwendung abhängt. Ein Einfluss der Erwartungshaltung des Arztes auf das Ergebnis sei hingegen bisher nicht nachgewiesen.

Nach meiner Einschätzung erfüllen gerade Naturheilverfahren diese Bedingungen in besonderer Weise. Zum einen haben viele Patienten ein großes Vertrauen zu komplementären Behandlungsmethoden. Weiterhin bieten die meisten Naturheilverfahren viel Raum für einen empathischen Umgang mit dem Patienten, da schon bei der Anamnese dem subjektiven Befinden ein großer Stellenwert beigemessen wird und viele Behandlungsverfahren mit einem zugewandten körperlichen Kontakt von Patient und Therapeut verbunden sind.

Hingegen findet man gegenüber der wissenschaftlichen Schulmedizin und insbesondere auch gegenüber der Pharmaindustrie bei den Patienten immer wieder Ressentiments, wie die Angst vor dem H1N1-Impfstoff wieder verdeutlicht hat. Auch die Empathie und Zuwendung kommt im medizinischen Alltag, der geprägt ist durch zahlreiche technische Untersuchungen, qualitätsgesicherte Dokumentation und leitlinienkonformes Vorgehen, oft zu kurz. Hinzu kommen dann auch noch Rabattverträge mit Substitution durch billigere Medikamente – auch ein günstiger Preis wurde in dem Artikel als negativer Einflussfaktor genannt.

Um so mehr hat es mich verwundert, dass die Autoren in dem Artikel den Einsatz des Placeboeffekts im Rahmen einer schulmedizinischen Behandlung zum wichtigen Werkzeug erklären aber im Bezug auf komplementäre Heilverfahren für bedenklich halten und sogar als „Täuschung der Patienten“ einstufen. Wir sollten diese Grabenkämpfe zwischen Komplementärmedizin und Schulmedizin beenden und den hohen technischen und wissenschaftlichen Standard unserer schulmedizinischen Versorgung durch die positiven Placeboeigenschaften bewährter und sicherer naturheilkundlicher Behandlungsverfahren ergänzen. Diese sind im Bezug auf Placeboeigenschaften der Schulmedizin häufig überlegen.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0570c

Dr. med. Michael Schiener

Bahnhofstraße 32

64720 Michelstadt

E-Mail: michael@schiener-online.de

1.
Breidert M, Hofbauer K: Placebo: Missunderstandings and prejudices [Placebo: Missverständnisse und Vorurteile]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 751–5. VOLLTEXT
1.Breidert M, Hofbauer K: Placebo: Missunderstandings and prejudices [Placebo: Missverständnisse und Vorurteile]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(46): 751–5. VOLLTEXT

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