ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2010Therapie der Netzhautablösung: „Buckelchirurgie“ ist vergleichbar effektiv wie Vitrektomie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Therapie der Netzhautablösung: „Buckelchirurgie“ ist vergleichbar effektiv wie Vitrektomie

Dtsch Arztebl 2010; 107(33): A-1574 / B-1402 / C-1382

Gerste, Ronald D.

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Bei einer Ablösung der Augennetzhaut (Amotio retinae) lässt sich nur mit Hilfe einer chirurgischen Intervention die potenzielle Erblindung verhindern. Ziel ist es, die Retina trocken wieder zur Anlage zu bringen. Das Aufnähen einer Plombe oder einer Cerclage, bei der die Lederhaut eingedellt und die Netzhaut durch Kryokoagulation auf diesem „Buckel“ wieder angelegt wird, ist seit langem Goldstandard. Die – in Europa bislang größte – Fallsammlung der Universitätsaugenklinik Münster von 4 325 Amotiopatienten, die mit einem die Sklera vorbuckelnden Eingriff versorgt worden sind, erlaubt einen Effektivitätsvergleich dieser Methode mit der zunehmend häufiger angewandten Alternative: der Vitrektomie.

Dr. med. Ulrich Thelen (Münster) und Koautoren ermittelten bei der retrospektiven Auswertung eine anatomische Erfolgsrate (unmittelbare postoperative Wiederanlage der Netzhaut) bei 83,98 Prozent der Patienten. Auch bei jenen, die eine Amotio als Folge eines Traumas erlitten, war die Buckelchirurgie nicht weniger erfolgreich, als dies von der Vitrektomie in der Literatur beschrieben wird. Ebenso steht die Myopie (n = 1 011; –2,75 bis –8,0 Dioptrien bei 17,87 % der Patienten und > –8,0 Dioptrien bei 7,68 %) dem Therapieerfolg nicht im Weg: Bei einer Kurzsichtigkeit von –2,75 bis –8,0 Dioptrien lag die anatomische Erfolgsrate mit 86,7 Prozent sogar überdurchschnittlich hoch.

Keinen Einfluss auf das anatomische Ergebnis der Buckelchirurgie hatte der Linsenstatus der Patienten. Die Erfolgsrate bei natürlicher Linse unterschied sich mit 84,45 % nicht signifikant von der bei aphaken Linsen (nach Kataraktoperation, ohne Kunstlinsenimplantation) mit 81,88 % und der Erfolgsrate bei Patienten mit Kunstlinse (82,88 %).

Fazit: Mit der Buckelchirurgie lässt sich die Retina vergleichbar effektiv anlegen wie mit der Vitrektomie. Das in der Studie bewertete anatomische Ergebnis ist Voraussetzung für den funktionellen Erfolg: das Wiedererlangen des Sehvermögens. Über die Entwicklung des Visus nach Verlassen der Klinik liege kein ausreichendes Feedback vor, räumen die Autoren ein. Eine frühere Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich bei circa 40 Prozent der von einer Amotio betroffenen Augen keine Lesefähigkeit erzielen lässt – unabhängig von der Operationsmethode (2). Ronald D. Gerste

  1. Thelen U et al.: Success rates of retinal buckling surgery: relationship to refractive error and lens status – results from a large German case series. Ophthalmology 2010; 117: 785–90.
  2. Heimann H et al.: Scleral buckling versus primary vitrectomy in rhegmatogenous retinal detachment: a prospective randomized multicenter clinical study. Ophthalmology 2007; 114: 2142–54.

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