ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2010Wundmanagement: Palliative Chirurgie nicht erwähnt

BRIEFE

Wundmanagement: Palliative Chirurgie nicht erwähnt

Dtsch Arztebl 2010; 107(33): A-1578 / B-1406 / C-1386

Vogt, Peter M.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Frau Dr. Gebhardt berichtet über das Wundmanagement chronischer Wunden auf dem Boden einer malignen Entartung. Ausführlich werden zwar die Möglichkeiten des konservativen Wund-Pflegemanagements symptomatischer Tumor-
wunden besprochen, die sich durch Sekretion, Geruchsbildung und Schmerzen auszeichnen, und zuzustimmen ist auf jeden Fall der Notwendigkeit einer histologischen Abklärung chronischer Wunden zum Malignomausschluss. Leider aber findet der Aspekt der sehr wirkungsvollen chirurgischen palliativen Möglichkeiten unter Einsatz plastisch-chirurgischer Therapieoptionen überhaupt keine Erwähnung. Dabei wurde in dieser Zeitschrift bereits im letzten Jahr über die Palliativchirurgie bei fortgeschrittenen Tumoren der Körperoberfläche entsprechend berichtet.

Zum Nachteil für Patienten wird immer noch bei derartigen chirurgisch oftmals sehr gut resektablen Tumoren und bei Unkenntnis der hervorragenden Möglichkeiten plastisch-rekonstruktiver Verfahren Inkurabilität eines Malignoms angenommen und wertvolle Zeit für konservative Behandlungen aufgewendet.

Anzeige

Indikationen für palliative plastisch-chirurgische Resektionen beinhalten ausgedehnte Thoraxwandinfiltrationen und axilläre Beteiligung nach Mammakarzinom, ausgedehnte Plattenepithelkarzinome, Basaliome, maligne Melanome, Weichgewebssarkome sowie Osteoradionekrosen. Auch bei flächenhaften Tumoren, wie in dem abgebildeten Beispiel eines kutanen Extremitätentumors, sind nach radikaler Resektion und Einsatz plastisch-rekonstruktiver Maßnahmen lokale Sanierungen möglich. Der Gewinn an Lebensqualität, eventuell sogar die Heilung, aber auf jeden Fall die Erleichterung der Pflege für alle Beteiligten rechtfertigen immer die Vorstellung in einem Zentrum. Die Tumorwunde ist ein gutes Beispiel für das sinnvolle Ineinandergreifen spezifischer Erfahrungen medizinischer und pflegerischer Fachgruppen zum Wohl der betroffenen Patienten. Eine alleinige Reduktion der Behandlung fortgeschrittener exulzerierender Tumoren auf die stadiengerechte Anwendung von Wundauflagen ist heute nicht mehr zu rechtfertigen.

Literatur beim Verfasser

Univ.-Prof. Dr. med. Peter M. Vogt, Direktor der Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Medizinische Hochschule Hannover, 30625 Hannover

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema