ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2010Die zehn wichtigsten Schlaganfallrisiken

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Die zehn wichtigsten Schlaganfallrisiken

Dtsch Arztebl 2010; 107(33): A-1550 / B-1382 / C-1362

Meyer, Rüdiger

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Zehn Risikofaktoren sind für weltweit 90 Prozent aller Schlaganfälle verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kommt die Interstroke-Studie im „Lancet“ (2010; 375: 10.1016/S0140–6736 [10]60834–3). Sie umfasst 3 000 Schlaganfallpatienten aus 22 Ländern (deutsche Beteiligung: Universität Essen), denen die gleiche Anzahl von Kontrollen gegenübergestellt wurde. Die Studie ist das Pendant zur Interheart-Studie, die vor sechs Jahren publiziert wurde (Lancet 2004; 364; 937–52) und die die gleichen Risikofaktoren für den Herzinfarkt ermittelte, wenn auch mit anderer Gewichtung. 

Endpunkt beider Studien war das populationsattributable Risiko (PAR), also jener rechnerische Anteil der Erkrankungen in der Bevölkerung, der einem Risikofaktor zuzuschreiben ist – wobei die Summe aller PAR höher als 100 Prozent ist, da einige Risikofaktoren sich gegenseitig bedingen. Das wichtigste Schlaganfallrisiko ist mit einer PAR von 34,6 Prozent die arterielle Hypertonie (Interheart-Studie: 17,9 Prozent), es folgen mit 26,5 Prozent die abdominale Adipositas (20,1 Prozent) und mit 28,5 Prozent Bewegungsmangel (12,2 Prozent). Rauchen mit 18,9 Prozent (35,7 Prozent) und Ernährungsfehler mit 18,8 Prozent (13,7 Prozent) sind weitere wichtige Risikofaktoren für den Schlaganfall (und den Herzinfarkt). 

Diese fünf Risikofaktoren erklären für sich genommen bereits 80 Prozent aller Schlaganfälle. Nimmt man Fette (Quotient Apolipoprotein B zu A1), Diabetes mellitus, Alkoholkonsum, Stress und Depressionen hinzu, steigt der Anteil auf 90 Prozent an.

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Beide Studien (Interstroke und Interheart) gehen auf die Initiative von Salim Yusuf von der McMaster University im kanadischen Hamilton zurück. Alle Schlaganfälle wurden durch eine Computertomographie des Gehirns gesichert. Dies gelang auch in den Ländern mit niedrigem Einkommen. In allen Ländern waren die Risikofaktoren die gleichen, die relative Gewichtung dürfte aber je nach Wohlstand und unter den einzelnen ethnischen Gruppen variieren, was Gegenstand einer zweiten Phase der Studie sein soll.

Die wissenschaftliche Wertigkeit von Fall­kontroll­studien ist geringer als die prospektiver Studien, welche Risikofaktoren auf der Basis von Langzeitbeobachtungen identifizieren und quantifizieren. So wurden In der „Prospektiven Münster Studie“ (PROCAM) für den Schlaganfall Geschlecht, Alter, Rauchen, Diabetes mellitus oder Nüchternblutzucker ab 120 mg/dl und Bluthochdruck als wichtigste Schlaganfall-Risikofaktoren ermittelt. rme

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