ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2010Betriebliches Gesundheitsmanagement: Pandemiepläne nicht ausklammern

SEITE EINS

Betriebliches Gesundheitsmanagement: Pandemiepläne nicht ausklammern

Dtsch Arztebl 2010; 107(33): A-1545 / B-1377 / C-1357

Zylka-Menhorn, Vera

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Dr. med. Vera Zylka-Menhorn, Ressortleitern Medizinreport
Dr. med. Vera Zylka-Menhorn, Ressortleitern Medizinreport

Rückenschule und Yoga im Besprechungsraum, „Fitnessmenüs“ in der Kantine und Sportwochen mit Schrittzählern als Geschenk. Immer mehr Firmen wollen ihrer Belegschaft ein Arbeitsumfeld bieten, das deren Gesundheit fördert. Denn nur gesunde, motivierte und einsatzbereite Mitarbeiter können auf Dauer die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit sichern und verbessern. Seit Jahrzehnten verpflichtet das Arbeitsschutzgesetz Unternehmen dazu, Gesundheit und Wohlbefinden der Beschäftigten zu erhalten und arbeitsbedingten Erkrankungen vorzubeugen.

Das Konzept des freiwilligen „Betrieblichen Gesundheitsmanagements“ geht jedoch noch einen Schritt weiter. Es sieht vor, dass dem Thema Gesundheit bei allen Entscheidungen und Strukturen im Betrieb Priorität eingeräumt wird – zumal für Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine echte Win-win-Situation entsteht: Die Mitarbeiter fühlen sich in ihrem Unternehmen gut aufgehoben, gleichzeitig sinkt die Zahl der Fehlzeiten, Unfälle und Fluktuationen. Letzteres ist angesichts der demografischen Entwicklung und des damit verbundenen Konkurrenzkampfs um qualifizierte Nachwuchskräfte nicht zu unterschätzen.

Anzeige

So lobenswert diese Entwicklung insgesamt ist, so nachdenklich stimmen die Ergebnisse einer Studie des Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung. Danach verfügt etwa die Hälfte der Unternehmen bis heute über keinen Pandemieplan zum Umgang mit der Neuen Influenza (A/N1H1). Noch ärger sieht es bei den kleineren Unternehmen aus: Nur ein Drittel hat einen Maßnahmenkatalog gegen die „Schweinegrippe“ verankert. Damit ist der Anteil der Betriebe, die auf einen Notfallplan zugreifen können, in den vergangenen Jahren nicht signifikant gestiegen – und das trotz medialer Dauerbefeuerung während der 13-monatigen Pandemiephase. Fragestellungen, welche Mitarbeiter von zu Hause aus weiterarbeiten können, was beim Ausfall eines Zulieferers passiert und wie die hygienischen Verhältnisse im Unternehmen optimiert werden können, bleiben unbeantwortet.

Die Gründe, warum bisher kein Notfallplan erstellt wurde, sind vielfältig. Jedes dritte Unternehmen hält einen Pandemieplan aufgrund der geringen Mitarbeiterzahl oder der geringen Größe für übertrieben. Dabei übersehen vor allem kleinere Unternehmen wichtige Implikationen, die auch außerhalb ihres Hauses mit einer Pandemie verbunden sind. Der Ausfall von Lieferketten und mögliche Kompensationspläne sind dabei nur der Anfang. Zudem können kleinere Unternehmen das krankheitsbedingte Fehlen besonders schlecht verkraften, da es an Kollegen fehlt, die die liegen gebliebene Arbeit übernehmen könnten. Demnach bietet ein Pandemieplan die Möglichkeit, bereits im Vorfeld Kontakte – beispielsweise zu Zeitarbeitsfirmen – zu knüpfen, die den benötigten Fachkräfteeinsatz koordinieren.

Doch was nicht ist, kann ja noch werden: Der Druck zu handeln, bleibt für die Unternehmen trotz der glimpflich verlaufenen A/N1H1-Pandemie bestehen. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass im Herbst die nächste pandemische Influenza anrollt.

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn
Ressortleitern Medizinreport

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema