ArchivDeutsches Ärzteblatt33/2010Von schräg unten: Koffer packen

SCHLUSSPUNKT

Von schräg unten: Koffer packen

Böhmeke, Thomas

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNSLNSLNS

Dr. med. Thomas Böhmeke

Der Sommer drängt, meine Frau hat mir eine paroxysmale Deutschlandflucht, sprich Urlaub, verordnet und mich beauftragt, den Koffer fertig zu packen. Mit weiblicher Sorgfalt hat sie bereits die Dinge des täglichen Lebens von B wie Badehose bis Z wie Zahnbürste zurechtgelegt, fehlt nur noch das A wie Arzneimittel, und das ist mein Job. Mit fulminanter Energie mache ich mich an die Arbeit.

Anzeige

Als Erstes packe ich eine Familiendosis Antihistaminika dazu, denn Zerkarien sind nun mal allgegenwärtig. Habe ich nun besagte Saugwürmer im Griff, muss ich mich auch um die Spulwürmer kümmern, also gesellt sich eine große Packung Mebendazol dazu. Wenn wir schon bei ungebetenen Gästen sind, so erweitere ich unser Arsenal um eine große Dosis Zinkschüttelmixtur, auch verschiedene Glukortikoidcremes dürfen nicht fehlen im erfolgreichen Kampf gegen Pulex irritans, dem Menschenfloh. Langsam quillt der Koffer über, was allerdings meinen pharmazeutischen Drang nicht bremsen kann. Denn nicht nur Siphonaptera aus der Klasse der Insekten können stechen, sondern auch die Sonne, und so komplettiere ich die Sammlung mittels verschiedener Infusionslösungen. Man weiß ja nie. Nun ist kein Platz mehr im Koffer, aber wichtige Dinge haben Priorität, daher entferne ich die verschiedenen Pullover aus dem Behältnis. Was muss, das muss, und es soll ja die Sonne scheinen, da braucht man nichts zum Wärmen. Besser ist es, wenn man auswärts antibakteriell bestens gerüstet ist, also finden Tetrazykline und Makrolide, Chinolone und Sulfonamide, Penicilline und Cephalosporine ihren Weg in den Koffer, die überzähligen Socken und Strümpfe den Weg zurück in den Schrank. Sockenlos kommt sowieso wieder in Mode. Ich darf nicht das Blutdruckmessgerät vergessen, vielleicht doch lieber zwei, falls eins einen Defekt aufweisen sollte. Sicherheit geht vor. Denn die ist allemal wichtiger als die überflüssigen Schuhe, die zurück ins Schuhfach gehen. Barfuß geht auch. Mäntel brauchen wir auch nicht, lieber eine äquivalente Menge an Loperamid und medizinischer Kohle. Soll ich vielleicht noch ein EKG mitnehmen? Und noch einen Ambubeutel? Auf den Defibrillator verzichte ich lieber. Und: Fertig!

Ich platze vor Stolz wie ein Staphylokokkenabszess und präsentiere meiner geliebten Frau den vollendeten Kofferinhalt. Sie schaut nur kritisch und meint schließlich: „Lass mich raten: Du willst mir den Nacktscanner am Flughafen ersparen, nicht wahr?“ Was habe ich denn jetzt wieder falsch gemacht?

Dr. med. Thomas Böhmeke
ist niedergelassener Kardiologe in Gladbeck.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote