ArchivDeutsches Ärzteblatt33/20103 Fragen an Dr. med Gerhard Kunstmann, Oberarzt in der Abteilung Krankenhaushygiene an den Kliniken der Stadt Köln

MEDIZINREPORT

3 Fragen an Dr. med Gerhard Kunstmann, Oberarzt in der Abteilung Krankenhaushygiene an den Kliniken der Stadt Köln

Dtsch Arztebl 2010; 107(33): A-1572

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Sie machen die Weiterbildung „Antibiotic Stewardship“. Was hat Sie motiviert?

Kunstmann: Es fehlt oft praktisches Wissen zum rationalen Einsatz von Antiinfektiva und zur Prävention nosokomialer Infektionen. „Rational“ bedeutet gezielt und sparsam. Beides dient dem Wohl des Patienten und dem des Krankenhauses.

Das bedeutet im Klinikalltag?

Kunstmann: Der Patient soll das Medikament mit der höchsten Aussicht auf Wirksamkeit so lang wie nötig, aber so kurz wie möglich erhalten, bei gleichzeitig geringem Risiko für Resistenzbildungen der Erreger. So kann zum Beispiel bei der akuten Pyelonephritis eine Therapie mit einem intravenös gegebenen Betalaktam anstelle eines oralen Fluorchinolons sinnvoll sein, wenn hohe und zunehmende Chinolonresistenzen auftreten. Auch wenn die intravenöse Applikation gegenüber der oralen einen Komfortverlust für den Patienten bedeutet. Jedes Vermeiden einer komplizierten Infektion, aber auch des Einsatzes teurer Reservemittel senkt Kosten. Ein weiteres Prinzip ist, möglichst rasch und wann immer möglich von Breit- auf Schmalspektrum-antibiotika umzustellen.

Der Weg zum Ziel?

Kunstmann: Der Weg ist, alle Akteure anzusprechen: mit Argumenten und mit Diplomatie. Wir möchten nicht meckern, sondern beraten und zur Etab-lierung klinikinterner Leitfäden beitragen. Der junge Assistenzarzt, der nachts Dienst hat, braucht Entscheidungshilfen. Und wir schaffen ein Netzwerk mit Ansprechpartnern und damit die auf diesem Gebiet dringend notwendige Diskussionskultur.

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