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Der mittel- bis langfristige klinische Nutzen der Mikrofrakturierung ist fraglich. Dies gilt insbesondere für Knorpelschäden über 4 cm2 Defektfläche (1). Osteochondrale Transferverfahren, wie zum Beispiel die Mosaikplastik, ermöglichen auch nach längeren Verlaufszeiten überwiegend gute Ergebnisse. Bei Defektgrößen über 4 cm2 nehmen jedoch auch bei dieser Methode die Komplikations- und Versagensraten erheblich zu (2). Ein solcher Befund wird nach autologer Knorpelzelltransplantation (ACT) in der Regel nicht beobachtet (2). In einer Studie mit Evidenzgrad 1 zur konventionellen ACT (unter Anwendung qualitätsgeprüfter Knorpelzellen) versus Mikrofrakturierung konnten signifikant bessere histologische Ergebnisse nach ACT gefunden werden. Auch klinisch waren die 3-Jahres-Ergebnisse der ACT teils signifikant besser als die der Mikrofrakturierung. Aus einer anderen randomisierten Studie zu einer trägergekoppelten Form der ACT versus Mikrofrakturierung wurden bereits nach zwei Jahren in allen klinischen Scores signifikant bessere Ergebnisse für die ACT berichtet. Auch deutet eine erst kürzlich veröffentlichte Studie mit bis zu 20 Jahren Nachbeobachtungszeit auf stabile Langzeitergebnisse der ACT mit einer hohen Patientenzufriedenheit hin (3). Ähnlich zuverlässige Langzeitergebnisse der Mikrofrakturierung, insbesondere bei größeren Knorpelschäden, oder noch überwiegend gute Ergebnisse dieser Methode im Anschluss an eine fehlgeschlagene ACT oder Mosaikplastik wurden bisher noch nicht berichtet. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich die Evidenzlage der ACT – vor allem auch im Gegensatz zur Mikrofrakturierung – in letzter Zeit wesentlich verbessert hat. Die von unserer Arbeitsgemeinschaft im Jahr 2004 ausgesprochenen Indikations- und Durchführungsempfehlungen zu den verschiedenen biologischen Rekonstruktionsverfahren (Mikrofrakturierung, Mosaikplastik und ACT) von Knorpelschäden des Kniegelenks haben sich daher bewährt beziehungsweise erhärtet und sollten deshalb im klinischen Alltag auch weiterhin berücksichtigt werden (2).

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0603a

Arbeitsgemeinschaft Geweberegeneration und Gewebeersatz der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC).

Dr. med. Dirk Albrecht
Schnarrenbergstraße 95
72076 Tübingen

E-Mail: dalbrecht@bgu-tuebingen.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Mithoefer K, McAdams T, Williams RJ, Kreuz PC, Mandelbaum BR: Clinical efficacy of the microfracture technique for articular cartilage repair in the knee: an evidence-based systematic analysis. Am J Sports Med 2009; 37: 2053–63. MEDLINE
2.
Behrens P, Bosch U, Bruns J, et al.: Indikations- und Durchführungsempfehlungen der Arbeitsgemeinschaft „Geweberegeneration und Gewebeersatz” zur Autologen Chondrozyten-Transplantation (ACT). Z Orthop Ihre Grenzgeb 2004; 142: 529–39. MEDLINE
3.
Peterson L, Vasiliadis HS, Brittberg M, Lindahl A: Autologous chondrocyte implantation: a long-term follow-up. Am J Sports Med 2010; Feb 24. [Epub ahead of print]. MEDLINE
4.
Michael JWP, Schlüter-Brust KU, Eysel P: The epidemiology, etiology, diagnosis, and treatment of osteoarthritis of the knee [Epidemiologie, Ätiologie, Diagnostik und Therapie der Gonarthrose]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(9): 152–62. VOLLTEXT
1.Mithoefer K, McAdams T, Williams RJ, Kreuz PC, Mandelbaum BR: Clinical efficacy of the microfracture technique for articular cartilage repair in the knee: an evidence-based systematic analysis. Am J Sports Med 2009; 37: 2053–63. MEDLINE
2.Behrens P, Bosch U, Bruns J, et al.: Indikations- und Durchführungsempfehlungen der Arbeitsgemeinschaft „Geweberegeneration und Gewebeersatz” zur Autologen Chondrozyten-Transplantation (ACT). Z Orthop Ihre Grenzgeb 2004; 142: 529–39. MEDLINE
3.Peterson L, Vasiliadis HS, Brittberg M, Lindahl A: Autologous chondrocyte implantation: a long-term follow-up. Am J Sports Med 2010; Feb 24. [Epub ahead of print]. MEDLINE
4.Michael JWP, Schlüter-Brust KU, Eysel P: The epidemiology, etiology, diagnosis, and treatment of osteoarthritis of the knee [Epidemiologie, Ätiologie, Diagnostik und Therapie der Gonarthrose]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(9): 152–62. VOLLTEXT

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