ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2010Niedrig dosierte Bestrahlung
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Als praktizierende Strahlentherapeuten fehlt uns ein klarer Hinweis auf die traditionell in Deutschland oft genutzte und unter Orthopäden auch sehr anerkannte niedrig dosierte Röntgenschmerzbestrahlung im Rahmen der konservativen Therapie. Diese sogenannte „Röntgenreizbestrahlung“ wird täglich bei vielen Patienten auch bei der Gonarthrose (GNA) eingesetzt, so dass wir uns zumindest einen kurzen Hinweis auf diese Methode gewünscht hätten.

Auch wenn zu dieser speziellen Indikation bisher eine kontrollierte randomisierte Studie fehlt, liegen doch zahlreiche Publikationen retrospektiver Analysen einschließlich Patterns-of-Care-Studien (PCS) vor. Im Jahr 2004 konnte im Rahmen einer solchen PCS festgestellt werden, dass jährlich in Deutschland 23 752 Patienten mit degenerativen Erkrankungen einschließlich GNA eine Röntgen-Schmerzbestrahlung erhielten (1). Im Jahr 2004 publizierte ein orthopädischer Erstautor Ergebnisse einer retrospektiven Studie mit einer Erfolgsrate (Schmerzreduktion, Schmerzfreiheit) von 63 Prozent nach Bestrahlung bei GNA. Eine im Jahr 2010 publizierte PCS zeigte, dass 2007 in Deutschland 4 544 Patienten mit GNA bestrahlt wurden. Die Zuweisungen zur Bestrahlung kamen bei der Möglichkeit von Mehrfachnennungen in 95,2 Prozent von Orthopäden, in 84,6 Prozent von Allgemeinärzten, in 28,8 Prozent von Chirurgen und in 27,9 Prozent von sonstigen Ärzten. Schmerzfreiheit konnte bei 25 Prozent und eine mäßige bis deutliche Schmerzreduktion bei 55 Prozent der bestrahlten Patienten erreicht werden (3).

Aus strahlentherapeutischer Sicht kann die niedrig dosierte Bestrahlung bei schmerzhafter GNA im Stadium 2–3 nach Kellgren als eine effektive Therapieoption zum Beispiel auch dann empfohlen und durchgeführt werden, wenn operative Eingriffe noch nicht möglich oder nicht erwünscht sind.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0603b

Prof. Dr. med Ulrich Schäfer

PD Dr. med. Oliver Micke

Prof. Dr. med. Michael Heinrich Seegenschmiedt

Dr. med. Ralph Mücke

Klinikum Lippe GmbH

Rintelner Straße 85

32657 Lemgo

E-Mail: ralph.muecke@klinikum-lippe.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Seegenschmiedt MH, Micke O, Willich N, et al.: Radiation therapy for nonmalignant diseases in Germany. Strahlenther Onkol 2004; 180: 718–30. MEDLINE
2.
Ruppert R, Seegenschmiedt MH, Sauer R: Radiotherapie von Arthrosen. Orthopäde 2004; 33: 56–62. MEDLINE
3.
Mücke R, Seegenschmiedt MH, Heyd R, et al.: Strahlentherapie bei schmerzhafter Kniegelenksarthrose – Ergebnisse einer deutschen Patterns of Care Studie. Strahlenther Onkol 2010; 186: 7–17. MEDLINE
4.
Michael JWP, Schlüter-Brust KU, Eysel P: The epidemiology, etiology, diagnosis, and treatment of osteoarthritis of the knee [Epidemiologie, Ätiologie, Diagnostik und Therapie der Gonarthrose]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(9): 152–62. VOLLTEXT
1.Seegenschmiedt MH, Micke O, Willich N, et al.: Radiation therapy for nonmalignant diseases in Germany. Strahlenther Onkol 2004; 180: 718–30. MEDLINE
2.Ruppert R, Seegenschmiedt MH, Sauer R: Radiotherapie von Arthrosen. Orthopäde 2004; 33: 56–62. MEDLINE
3.Mücke R, Seegenschmiedt MH, Heyd R, et al.: Strahlentherapie bei schmerzhafter Kniegelenksarthrose – Ergebnisse einer deutschen Patterns of Care Studie. Strahlenther Onkol 2010; 186: 7–17. MEDLINE
4.Michael JWP, Schlüter-Brust KU, Eysel P: The epidemiology, etiology, diagnosis, and treatment of osteoarthritis of the knee [Epidemiologie, Ätiologie, Diagnostik und Therapie der Gonarthrose]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(9): 152–62. VOLLTEXT

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