ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2010Wohlwollende Ausbildung wichtig
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Mit Interesse habe ich den Bericht über die psychosoziale Arbeitsbelastung der chirurgisch tätigen Krankenhausärzte gelesen. Das Anforderungs-Kontroll-Modell erscheint sinnvoll und geeignet, psychosozialen Stress bei den Ärzten zu belegen. Interessant fand ich hierbei den markanten Unterschied zwischen Assistenzärzten einerseits und Ober- beziehungsweise Chefärzten andererseits.

Bei der Deutung der Ergebnisse erwähnen die Autoren meiner Meinung nach einen entscheidenden Punkt nur unzureichend: Die Ergebnisse suggerieren, dass die Ausbildungsstruktur oder der Wille zur Ausbildung und Supervision in Deutschland unzureichend ist.

Junge Ärzte werden mit hohen Anforderungen konfrontiert, ohne dass sie über die nötigen Fähigkeiten oder die Autorität verfügen, diese angemessen zu kontrollieren und zu bewältigen. Dies legt den Schluss nahe, dass die Ober- und Chefärzte ihre Rolle als Ausbilder und Führungsfiguren nicht ausreichend erfüllen. Ich selber habe drei Jahre meiner Ausbildung im englischsprachigen Ausland verbracht. Hier wurden junge Ärzte systematisch unterrichtet und angeleitet. Ich kann daher beurteilen, wie wichtig die Ausbildung und Führung von jungen Ärzten ist. In deutschen Krankenhäusern kommt Ausbildung nach der Patientenbehandlung, Forschung und Administration häufig an letzter Stelle.

Der Ausbildung und Supervision von jungen Ärzten muss mehr Priorität eingeräumt werden, nicht nur auf dem Papier, sondern in der Praxis.

Den Gedanken, dass die stressreiche Assistenzarztzeit irgendwann vorbei sein wird und man dann in eine Position gelangt, in der man die Kontrolle über die eigene Tätigkeit gewinnt – und so aus den Problemen herauswächst –, halte ich für falsch oder sogar gefährlich. Ein Arzt, der nie eine regulierte, wohlwollende Ausbildung oder Leitung durch seinen Oberarzt erfahren hat, wird die Schwächen dieses Systems in ähnlicher Form auf die ihm Nachfolgenden weiter übertragen.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0606

Dr. med. Sebastian Briesen

MBChB (Bonn), MMedOphth. (Nairobi), ICO

Augenklinik Dardenne

Friedrich-Ebert-Straße 23–25

53177 Bonn-Bad Godesberg

E-Mail: sebbriesen@yahoo.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Die Autoren des Beitrags haben auf ein Schlusswort verzichtet.

1.
von dem Knesebeck O, Klein J, Grosse Frie K, Blum K, Siegrist J: Psychosocial stress among hospital doctors in surgical fields: results of a nationwide survey in Germany [Psychosoziale Arbeitsbelastungen bei chirurgisch tätigen Krankenhausärzten: Ergebnisse einer bundesweiten Befragung]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(14): 248–53. VOLLTEXT
1.von dem Knesebeck O, Klein J, Grosse Frie K, Blum K, Siegrist J: Psychosocial stress among hospital doctors in surgical fields: results of a nationwide survey in Germany [Psychosoziale Arbeitsbelastungen bei chirurgisch tätigen Krankenhausärzten: Ergebnisse einer bundesweiten Befragung]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(14): 248–53. VOLLTEXT

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