ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2010Honorareinnahmen: Keine Nachteile für Hausärzte

POLITIK

Honorareinnahmen: Keine Nachteile für Hausärzte

Dtsch Arztebl 2010; 107(34-35): A-1612 / B-1433 / C-1413

Rieser, Sabine

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Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat der Darstellung widersprochen, dass Hausärztinnen und Hausärzte noch immer schlechter honoriert werden als Fachärzte und zudem in den letzten Jahren bei Honorarreformen benachteiligt wurden.

Man kann nicht behaupten, dass wir Hausärzte schlechter gestellt hätten als Fachärzte. Das trifft einfach nicht zu“, erklärte Mitte August Dr. med. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Den Daten der KBV zufolge hat ein Hausarzt im Jahr 2009 durchschnittlich etwas mehr als 200 100 Euro an Honorar erhalten (2008: 193 300 Euro). In dieser Gruppe erzielten die Allgemeinmediziner im Schnitt Honorareinnahmen von 192 500 Euro, die hausärztlich tätigen Internisten von 204 400 Euro und die Kinderärzte von 213 500 Euro.

Zu berücksichtigen ist bei diesen Angaben, dass im Jahr 2009 etwa 2 000 Hausärzte weniger an der Versorgung teilnahmen als im Jahr davor. Den übrigen stand also mehr Honorarvolumen zur Verfügung. Details zur Honorarverteilung innerhalb der einzelnen Arztgruppen nannte die KBV nicht.

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Das durchschnittliche Honorar lag bei der Gruppe der Fachärzte im Jahr 2009 jedoch niedriger als bei den Hausärzten, nämlich bei etwa 202 700 Euro (2008: 190 900 Euro). Am besten honoriert wurden danach fachärztlich tätige Internisten (450 700 Euro) sowie Radiologen (433 600 Euro), am schlechtesten Anästhesisten (173 300 Euro) und Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (175 000 Euro). Erkennbar ist zudem, dass fachübergreifende Gemeinschaftspraxen und Medizinische Versorgungszentren überproportionale Zuwächse erzielten.

Beim Ertrag der Praxis stehen die Hausärzte nach den Berechnungen der KBV mittlerweile besser da als die Fachärzte. Dieser lag für den hausärztlichen Bereich im Jahr 2009 bei circa 105 000 Euro, für den fachärztlichen bei 95 000 Euro.

Dass sich das von den Kassenärztlichen Vereinigungen überwiesene Honorar für den fachärztlichen Bereich im Jahr 2009 gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich sieben Prozent erhöht hat, im hausärztlichen Bereich hingegen nur um drei Prozent, widerspricht der Kernaussage der KBV nach deren Darstellung nicht. Schließlich müsse man berücksichtigen, dass die Hausärzte im vergangenen Jahr bereits separat Honorare aus den Verträgen zur hausarztzentrierten Versorgung nach § 73 b SGB V erhalten hätten, erläuterte Köhler. Nach seinen Angaben betrug das Bereinigungsvolumen im Jahr 2009 in Baden-Württemberg knapp 85 Millionen Euro, in Bayern annähernd 267 Millionen Euro. Wenn man diese Einnahmen mitrechnet, dann verzeichnet auch der hausärztliche Bereich im Jahr 2009 im Vergleich zum Vorjahr ein Honorarplus von sieben Prozent.

Der Deutsche Hausärzteverband (HÄV) hat die KBV-Daten als „aus der Trickkiste der Statistik zusammengestellt“ kritisiert. Damit solle die Politik der Bundesregierung flankiert werden, die hausarztzentrierte Versorgung in Deutschland zu beseitigen, heißt es in einer Erklärung. Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Philipp Rösler (FDP) will bekanntlich die Honorare der Hausärzte im Rahmen von Verträgen nach § 73 b SGB V begrenzen, nicht aber die hausarztzentrierte Versorgung abschaffen. Der KBV zufolge waren im Jahr 2009 zudem gerade fünf Prozent der gesetzlich Krankenversicherten in hausarztzentrierten Verträgen nach § 73 b eingeschrieben.

Bei den Angaben der KBV bleibe zudem unberücksichtigt, dass bei den Allgemeinmedizinern ein größerer Teil der Vergütung als bei anderen Facharztgruppen aus Tätigkeiten im Notfalldienst herrühre, die also nach Feierabend, nachts und an Wochenenden geleistet würden, so der HÄV. Außerdem werde ausgeblendet, dass in den Quartalen des Jahres 2009 im Rahmen des Kollektivvertrags Überzahlungen erfolgt seien, die mit Sicherheit in den nächsten Quartalen wieder zurückgeführt werden müssten, bemängelte der HÄV-Bundesvorsitzende, Ulrich Weigeldt.

Die KBV-Vorstände Köhler und Dr. med. Carl-Heinz Müller widersprachen nicht nur Behauptungen zur Einnahmesituation von Haus- und Fachärzten. Es sei auch nach wie vor nicht belegt, dass Verträge nach § 73 b Einsparungen bewirkten, sagte Köhler. Vielmehr gebe es Hinweise darauf, dass eingeschriebene Versicherte in nennenswertem Umfang weitere Hausärzte konsultierten beziehungsweise den organisierten ärztlichen Notfalldienst in Anspruch nähmen.

Müller wies darauf hin, dass Hausarztverträge derzeit allesamt nicht daraufhin angelegt seien, Verbesserungen und Einsparungen zu belegen. Er forderte für die Zukunft aber grundsätzliche entsprechende Studien. Nur bei nachgewiesenen Effekten werde es nämlich auf Dauer auch mehr Honorar geben, betonte der KBV-Vorstand.

Sabine Rieser

Nachwuchs fördern

Wenn im Jahr 2009 gegenüber 2008 etwa 2 000 Hausärzte weniger in der Statistik auftauchen, erhöht sich zwar bei getrennten Honorartöpfen für Haus- und Fachärzte das Honorarvolumen für die übrigen, die Nachwuchssorgen jedoch bleiben.

Nach Berechnungen der KBV beträgt der altersbedingte Ersatzbedarf für die Jahre 2010 bis 2015 etwas weniger als 13 000 Hausärzte und circa 15 000 Fachärzte.

Zur Förderung des ärztlichen Nachwuchses fordert die KBV, stärker in die organisatorische Begleitung der Weiterbildung einbezogen zu werden. So will sie vom Gesetzgeber zur Vermittlung von Weiterbildungsstellen und zum Aufbau einer Verbund-Weiterbildung mit den zuständigen Ärztekammern beauftragt werden.

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