ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2010Rückenschmerzen: Kognitive Verhaltenstherapie langfristig wirksam

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Rückenschmerzen: Kognitive Verhaltenstherapie langfristig wirksam

Dtsch Arztebl 2010; 107(34-35): A-1630 / B-1446 / C-1426

Gulden, Josef

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Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten und kostenträchtigsten Problemen in der ärztlichen Praxis. Körperliche Aktivität gehört zu den wirksamsten Therapien, wird aber selten konsequent und langfristig eingesetzt. Britische Mediziner untersuchten einen Ansatz mit kognitiver Verhaltenstherapie in einer Kohorte von 701 Patienten aus 56 Hausarztpraxen, die an subakuten oder chronischen Schmerzen im unteren Wirbelsäulenbereich litten: Alle erhielten eine 15-minütige Standardberatung über den Nutzen körperlicher Aktivität, die Vermeidung von Bettruhe und die sinnvolle Anwendung von Analgetika.

Dann wurden sie randomisiert: Ein Drittel bekam keine weitere Behandlung, die übrigen erhielten eine kognitive Verhaltensintervention, die in sechs eineinhalbstündigen Sitzungen in Achtergruppen durchgeführt wurde. Dazu zählten Übungen zur Vermeidung des negativen Denkens, die Einleitung schrittweise zunehmender körperlicher Aktivität sowie Entspannungsübungen. Primäre Endpunkte waren Veränderungen in standardisierten Instrumenten, erhoben nach einem Jahr durch verblindete Untersucher.

In allen Instrumenten schnitten die Patienten mit kognitiver Verhaltenstherapie hochsignifikant besser ab (Roland-Morris-Disability-Fragebogen: 2,4 versus 1,1 Punkte, Unterschied 1,3 Punkte, 95%-Konfidenzintervall 0,56–2,0 Punkte, p = 0,0008; modifizierter Von-Korff-Behinderungsscore 13,8 % versus 5,4 %, Unterschied 8,4 %, 95%-KI 4,47–12,32 %, p < 0,0001; modifizierter Von-Korff-Schmerz-Score 13,4 % versus 6,4 %, Unterschied 7,0 %, 95%-KI 3,12–10,81 %, p < 0,0001). Die aktive Therapie erbrachte eine Zunahme von 0,099 Quality-Adjusted Life Years.

Fazit: Psychotherapeutische Ansätze zur Behandlung von Rückenschmerzen sind längerfristig wirksam und kostengünstig. Das belegten die Daten der Studie ebenso wie die früherer Untersuchungen, kommentiert Prof. Dr. med. Marcus Schiltenwolf (Heidelberg). Die Effektstärken verhaltenstherapeutischer Maßnahmen seien einer Cochrane-Analyse zufolge aber relativ gering. Grundsätzlich weise auch die neue Studie darauf hin, wie wichtig kognitive Aspekte im Umgang mit Rückenschmerzen seien: „Entscheidend ist, dass der Patient versteht, woher seine Schmerzen kommen, und dass die Beziehung zwischen Aktivität und Schmerzen multidimensional ist. Letztlich soll er lernen, wie
er selbst Schmerzen regulieren kann.“ Josef Gulden

Lamb SE et al.: Group cognitive behavioural treatment for low-back pain in primary care: A randomised controlled trial and cost-effectiveness analysis. Lancet 2010; 375: 916–23.

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