ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1997Kooperation des Landes Berlin und der BG: Europas modernste Unfallklinik eröffnet

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Kooperation des Landes Berlin und der BG: Europas modernste Unfallklinik eröffnet

Nickolaus, Barbara

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LNSLNS Ein Modellprojekt ist gestartet, ob es sich im rauhen Klinikumfeld Berlins bewährt, wird die Zeit zeigen. Die Gründung des "Unfallkrankenhaus Berlin" ist ein in zweifacher Hinsicht einzigartiges Novum in der
bundesdeutschen Medizinlandschaft: 1992 vereinbarten die gewerblichen Berufsgenossenschaften (BG) und der Senat von Berlin im Rahmen eines Kooperationsvertrages die gemeinsame Planung, Errichtung und den Betrieb eines Unfallkrankenhauses. Hierzu wurde ein Klinikträgerverein in der Rechtsform des Eingetragenen Vereins gegründet.
Das Haus soll einerseits dem unterversorgten ehemaligen Ostberliner Bezirk Marzahn, heute ein riesiger Neubaubezirk mit sehr junger Bevölkerung, gleichsam als traumatologisches "Kiez-Schwerpunktkrankenhaus" dienen und andererseits überregionale Aufgaben übernehmen, zum Beispiel bei schwer Brandverletzten, bei Rückenmarkverletzungen, komplexen Handverletzungen sowie schweren Knochen- und Gelenkinfektionen. Das Unfallkrankenhaus führt sowohl die Primärversorgung und Wiederherstellungschirurgie als auch die Rehabilitation im Rahmen der BG-Heilverfahren durch.
Dreiteiliger
Gebäudekomplex
Das Haus (Baukosten 468 Millionen DM) gilt derzeit als Europas modernstes Unfallkrankenhaus. Es verfügt über 468 Betten, 36 Intensivbetten, 13 Operationssäle, Dachlandeplatz für Rettungshubschrauber direkt über dem Schockraum und Notfall-OP. Insgesamt 900 Mitarbeiter, davon 160 Ärzte und 550 Pflegekräfte, sind für 13 medizinische Fachdisziplinen tätig. Der Tagessatz liegt bei durchschnittlich 1 092 DM. Das Jahresbudget beträgt 130 Millionen DM. Der dreiteilige Gebäudekomplex integriert sich gut in die mehr als 100 Jahre alte historische Krankenhausanlage des Wilhelm-Griesinger-Krankenhauses. Neben modernsten diagnostischen, therapeutischen und wiederherstellenden Verfahren werden unter anderem die neuesten Krankenhaus-Kommunikations- und informationssysteme auf dem Weg zum papierlosen Krankenhaus eingesetzt.
Auf der Eröffnungsfeier betonte die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter, Dr. Sabine Bergmann-Pohl, wie selten heute Meldungen über Krankenhausneubauten angesichts strukturbedingter Schließungen geworden seien, desto mehr seien Institutionen wie die Berufsgenossenschaften gefordert. Sie haben diesen Auftrag zur medizinischen Rehabilitation jedes Verletzten oder Erkrankten mit sieben modernsten Kliniken und Spezialzentren, davon drei für Unfallopfer, beantwortet.
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, sprach seinen Dank aus, daß mit diesem neuen Haus eine Lücke bei der Versorgung von Unfallverletzten in den neuen Bundesländern zunehmend geschlossen werde. In der Investition in ein neues Haus angesichts eines Bettenüberhangs in Berlin von bis zu 7 500 Betten läge kein Widerspruch, sondern ein Qualitätsgewinn im unterversorgten Osten.
Der neue Ärztliche Direktor des Unfallkrankenhauses Berlin, Prof. Dr. Axel Ekkernkamp, dankte für den Vertrauensvorschuß, den viele Menschen dem Haus und seinem Team bereits entgegenbringen - obwohl noch kein einziger Patient bis zu diesem Tag behandelt worden sei.
Dr. Barbara Nickolaus
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