ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2010Hormonimitatoren: Wichtige Warnung der amerikanischen FDA
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1. Die Risikobewertung von Bisphenol A (BPA) steht international im Zentrum einer intensiven Diskussion. Kanada hat als weltweit einziges Land Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher getroffen. Dort wurde der Import und Verkauf von Babyflaschen aus Plastik verboten. Weitere Maßnahmen sollen folgen. Noch 2008 erklärte die US-Behörde Food and Drug Administration (FDA), dass jegliche(r) Kontamination und Konsum mit/von BPA gesundheitlich unbedenklich seien. Diese Einschätzung beruhte im Wesentlichen auf zwei von der Industrie finanzierten Studien.

FDA und das National Institutes of Health haben nun doch aufgrund der zahlreichen alarmierenden Befunde Bedenken wegen der potenziellen Effekte von BPA auf Gehirn, Verhalten und die Prostata bei Feten, Babys und kleinen Kindern. Gründliche weitere Studien sind geplant. Vor deren Abschluss empfiehlt die FDA in einer Erklärung im Januar dieses Jahres, bereits jetzt die BPA-Aufnahme zu reduzieren. Die Produktion BPA-haltiger Plastikflaschen und Babyfläschchen sollte gestoppt werden und BPA in der Innenbeschichtung von Dosen ersetzt werden.

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2. In Dänemark kommen Hodentumoren, Hypospadie, Kryptorchismus und verminderte Samenqualität häufiger vor als in anderen skandinavischen Ländern. Für diese Veränderungen werden Umweltfaktoren verantwortlich gemacht. Dafür spricht unter anderem eine große Studie, die zeigt, dass Immigranten nach Dänemark in der ersten Generation, die nicht in Dänemark geboren wurde, weniger Hodenkrebs hatten als in Dänemark geborene Immigranten. Diese Untersuchungen sprechen dafür, dass in einer frühen Entwicklungsphase, vermutlich intrauterin, Umwelteinflüsse negativ wirken. Um welche Einflüsse es sich handelt, ist bislang unbekannt.

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Dietrich Klingmüller, Institut für
Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie,
Endokrinologie, Universitätsklinikum Bonn,
53105 Bonn

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