ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2010Saisonale Influenza: Impfung auch für Kinder sinnvoll

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Saisonale Influenza: Impfung auch für Kinder sinnvoll

Dtsch Arztebl 2010; 107(34-35): A-1645

Siegmund-Schultze, Nicola

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Kinder spielen eine Schlüsselrolle bei der Übertragung der Virusgrippe. Dies ist für die saisonale Influenza bekannt, gilt aber auch für die neue Influenza A/H1N1.

Einige Länder wie die Vereinigten Staaten und Finnland empfehlen bereits heute, Kinder generell gegen die saisonale Grippe zu impfen, Finnland schon seit 2007. In Deutschland wird die Impfung für Kinder und Jugendliche nur dann empfohlen, wenn sie erhöhte Risiken, zum Beispiel aufgrund chronischer Krankheiten, haben.

Vor allem in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen habe sich das pandemische Virus rasch ausgebreitet, sagte Prof. Dr. med. Paula Lister vom Great Ormond Street Hospital in London und erinnerte an die internationalen Surveillance-Daten von 2009. Obwohl die Komplikations- und Hospitalisierungsraten von Land zu Land und im zeitlichen Verlauf der jeweiligen A/H1N1-Erkrankungswellen differierten, wurden innerhalb der verschiedenen Altersgruppen Kinder unter fünf Jahren am häufigsten stationär aufgenommen (NEJM 362; 2010: 1708–19).

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Influenza erhöht Morbidität und Hospitalisierungsrate

Die saisonale Influenza erhöht ebenfalls deutlich das Morbiditäts- und Hospitalisierungsrisiko für Kleinkinder. In den Empfehlungen zur Impfung gegen saisonale Influenza sollte dies berücksichtigt werden, meint Prof. Dr. med. Terho Heikkinen (Universität Turku, Finnland).

Entsprechend den Empfehlungen der Welt­gesund­heits­organi­sation und der Europäischen Union enthalten Influenza-Impfstoffe Antigene gegen A-Stämme (A/H1N1 und A/H3N2), in der Saison 2010/11 auch gegen das pandemische A/H1N1-Virus,
außerdem Antigene gegen einen Influenza-B-Stamm. „Ein optimaler Influenza-Impfstoff für Kinder sollte gut vertragen werden und einen stabilen Immunschutz induzieren“, sagte Heikkinen. Diese Anforderungen erfülle der adjuvantierte Impfstoff Fluad®. Er ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland auf dem Markt, für Kinder ist er allerdings nicht zugelassen. Der Wirkverstärker MF59C.1 ist eine Squalen-Wasser-Emulsion.

In Studien habe sich die MF59-adjuvantierte Vakzine aber nicht nur als verträglich und sicher für Kinder erwiesen, sie habe auch eine hohe Immunogenität, berichtete Prof. Dr. med. Susanna Esposito (Mailand, Italien). Die Pädiaterin stellte die Daten einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie vor (The Pediatric Infectious Disease Journal 28, 2009, 563–71). Federführend für die von Novartis unterstützte Untersuchung war der Virologe und Pädiater Prof. Dr. med. Timo Vesikari (Universität Tampere, Finnland). 269 Kinder (sechs bis 36 Monate) wurden zu annähernd gleichen Teilen in zwei Gruppen randomisiert: Eine Gruppe sollte zweimal im Abstand von vier Wochen die trivalente MF59-adjuvantierte Vakzine der Saison 2006/07 erhalten, die zweite eine ebenfalls saisonale, aber nichtadjuvantierte Spaltvakzine. In einer Extensionsstudie wurde allen im ersten Studienjahr vollständig Geimpften eine Impfung mit der entsprechend aktualisierten Vakzine der nachfolgenden Saison angeboten. Vor und nach den jeweiligen Impfungen bestimmten die Forscher die Antikörpertiter, nach den Impfungen auch die Verträglichkeit.

Bis auf Spannungsgefühle und Schwellungen, die unter dem wirkverstärkten Impfstoff etwas häufiger auftraten, war die Verträglichkeit beider Vakzine vergleichbar. Bei der Immunogenität gab es jedoch Unterschiede: Die Rate der Impflinge mit schützenden Antikörpermengen gegen die verschiedenen Impfstämme war signifikant höher beim adjuvantierten Impfstoff als beim nichtadjuvantierten, und zwar nach jeder Immunisierung. Vor allem gegen den B-Stamm – B-Stämme tragen zu etwa 50 Prozent der influenzabedingten Hospitalisierungen von Kindern bei – zeigte die adjuvantierte Vakzine mit einer Seroprotektionsrate (Titer höher als 1 : 40) von 99 Prozent nach der zweiten Impfung eine höhere Immunogenität als die nichtadjuvantierte Spaltvakzine (33 Prozent).

Längerer und breiterer Schutz durch adjuvantierte Vakzine

Vor dem Boost ein Jahr später (81 Kinder) hatten noch zehn Prozent der mit Fluad geimpften Teilnehmer (n = 41) schützende Antikörpertiter gegen den B-Stamm, aber keines der 40 Kinder, die den Spaltimpfstoff erhalten hatten. Gegen den A/H3N2-Stamm waren noch 88 Prozent der mit Fluad Geimpften geschützt und 40 Prozent derer, die die Spaltvakzine erhalten. Die Seroprotektionsraten gegen A/H1N1 betrugen zu diesem Zeitpunkt noch 15 Prozent nach Fluad und fünf Prozent nach Impfung mit der Spaltvakzine. Auch beim Antigendrift von Influenza-Viren innerhalb einer Saison biete der wirkverstärkte Impfstoff einen besseren Schutz als der nichtadjuvantierte, hieß es beim Symposium. Die generelle Impfung von Kindern mit einer adjuvantierten Vakzine gegen die saisonale Influenza sei nicht nur wirksam und sicher, sie sei auch ökonomisch sinnvoll, erklärte Heikkinen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Satellitensymposium „Pediatric Influenza: Lessons from the pandemic and implications for seasonal vaccination“, Nizza, Frankreich, im Rahmen der „28th Conference of the European Society for Pediatric Infectious Diseases“, Veranstalter: Novartis

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