ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2010Börsebius: Ist nichts genug?

GELDANLAGE

Börsebius: Ist nichts genug?

Dtsch Arztebl 2010; 107(34-35): A-1648 / B-1460 / C-1440

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So ein Mist aber auch. Wenn das mit dem Bergab bei den Zinsen noch so weitergeht, wird der brave Sparer für eine zehnjährige Bundesanleihe irgendwann die Eins vor dem Komma sehen. Schon jetzt liegt die sogenannte Umlaufrendite für festverzinsliche Wertpapiere bei nur noch bei 2,01 Prozent, und selbst wer dem deutschen Staat für 30 Jahre Geld leihen will, bekommt dafür per anno nur noch unfassbar magere 2,967 Prozent Zinsen gutgeschrieben.

Fast gar nichts ergattern Leute, die sich mit der Tagesanleihe des Bundes zufriedengeben wollen oder müssen. Hier gibt es unsägliche 0,29 Prozent. Der fassungslose Betrachter mag ja darob fast schon froh sein, nicht noch ein Scherflein extra dafür geben zu müssen, sein Geld überhaupt noch bei einer guten Adresse sicher unterzubringen.

Wie wir alle wissen, lohnt es sich derzeit auch nicht, bei Banken, Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken den großen Max zu spielen, um für Festgeld ein halbes Prozent mehr herauszuschlagen – gibt es doch mit Hängen und Würgen gerade mal diese Quote über alles. Böse, böse. Wem mehr versprochen wird, muss sich mit allerlei Einschränkungen bezüglich investierter Summe und Anlagelaufzeit oder irgendwelchen Kombinationsmodellen herumschlagen. Gute Zinsen gibt es nur für Freshmoney oder in Verbindung mit dem Kauf eines ach so fantastischen Fonds.

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Ist nichts genug? Wem dieses Nichts für die Überlassung von Geld nicht genug ist, und das sind weiß Gott nicht wenige, wird sich also händeringend auf die Suche nach Anlagealternativen aufmachen.

Die Leimruten und Fallen, die findige Anbieter von unseriösen oder bestenfalls halbseidenen Anlageprodukten dabei aufstellen, sind für diese Renditejäger oft nicht erkennbar, manche wollen die Fallstricke aber auch gerade wegen der hektischen Suche nach mehr Rendite einfach nicht sehen. Verglichen damit ist der Aktienmarkt die klar bessere Alternative, wird doch vermutlich spätestens im Herbst eine sogenannte Liquiditätshausse einsetzen.

Innehalten mag aber durchaus die klügere Perspektive sein. Es gibt derzeit halt so wenig Zinsen für sichere Anlagen, weil die Gefahren andernorts nicht zu verachten sind. Sich mit wenig zufriedengeben heißt schließlich Verluste meiden. Dumm ist das nicht. Ganz im Gegenteil.

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