ArchivDeutsches Ärzteblatt39/199750 Jahre Ärztekammer Westfalen-Lippe: „Mit großem Respekt vor der Aufbauarbeit“

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50 Jahre Ärztekammer Westfalen-Lippe: „Mit großem Respekt vor der Aufbauarbeit“

Dtsch Arztebl 1997; 94(39): A-2476 / B-2020 / C-1862

Hofmann, Susanne

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LNSLNS Mit einem großen Festakt feierte Ende August die Ärztekammer Westfalen-Lippe den Tag, an dem sich 1947 die ärztliche Selbstverwaltung in Westfalen-Lippe neu konstituierte. In Anwesenheit des Ministers für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Axel Horstmann, der Oberbürgermeisterin der Stadt Münster, Marion Tüns, des Präsidenten der Bundes­ärzte­kammer, Dr. med. Karsten Vilmar, und des Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Dr. med. Ulrich Oesingmann, eröffnete der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. med. Ingo Flenker, den Festakt mit den Worten: "Wir müssen die damals geleistete Aufbauarbeit auch heute mit großem Respekt betrachten, denn die Rahmenbedingungen waren ausgesprochen schwierig." Die schrecklichen Erfahrungen der Kriegszeit wirkten nicht nur insofern nach, als sich noch zahlreiche Ärzte in Gefangenschaft befanden. Auch die Mangelsituation bei Lebensmitteln, Brennstoffen und Medikamenten und der sich verschlechternde Gesundheitszustand der Bevölkerung machte den Ärztinnen und Ärzten schwer zu schaffen.
Jetzt, 50 Jahre später, könne man auf eine erfolgreiche Arbeit zurückblicken, die unverändert darauf zielt, die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung zu optimieren, die Strukturen des Gesundheitswesens weiterzuentwickeln und die beruflichen Belange der Ärzteschaft wirksam wahrzunehmen. Das Prinzip der Selbstverwaltung habe sich dabei in all den Jahren in vorbildlicher Weise bewährt. Dies unterstützte Minister Horstmann: "Das heutige Verhältnis zwischen Ärztekammern und Staat ist nicht zuletzt Ausdruck der Selbstbeschränkung des Staates in der Erkenntnis mangelnder Nähe zu berufsständischen Angelegenheiten." Als Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe lobte Dr. med. Ulrich Oesingmann die intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den beiden ärztlichen Körperschaften: "Ein deutliches Auseinanderdriften von Kammer und Kassenärztlicher Vereinigung und eine mehr oder weniger offene Rivalität gibt es bis heute in Westfalen-Lippe nicht." Sichtbare Zeichen dieser guten Zusammenarbeit sind die gemeinsam geführte Akademie für ärztliche Fortbildung, die gemeinsame Pressestelle, das Westfälische Ärzteblatt und nicht zuletzt das gemeinsam erstellte neue Ärztehaus in Münster.
Vilmar plädiert für Eigenverantwortung
Die Glückwünsche der Bundes­ärzte­kammer überbrachte Dr. med. Karsten Vilmar, der in seinem Grußwort unter anderem auf die Grenzen der medizinischen Entwicklung einging: "Nicht alles, was wissenschaftlich oder technisch möglich, vielleicht auch angenehm und wünschenswert ist, kann von der Solidargemeinschaft der Beitragszahler oder von den Steuerzahlern bezahlt werden", sagte Vilmar. Um das Gesundheitswesen aber auch in Zukunft leistungsfähig zu halten, müßten Eigeninitiative und Eigenverantwortung wieder gestärkt werden.
Im seinem Festvortrag "Ärztliche Selbstverwaltung im strukturellen Wandel" zeigte Professor Dr. jur. Gerhard W. Wittkämper, Direktor des Instituts für Politikwissenschaften der Universität Münster, auf, daß die Selbstverwaltung einem Wandel unterliegt. Er verwies auf ein Wort von Mahatma Gandhi: "Wahre Zivilisation besteht nicht in der Vervielfachung der Bedürfnisse, sondern in freiwilliger, wohlüberlegter Einschränkung der Wünsche." Susanne Hofmann
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