ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2010Telemedizin: Enge Abstimmung in Tumorboards

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Telemedizin: Enge Abstimmung in Tumorboards

Dtsch Arztebl 2010; 107(34-35): A-1646 / B-1458 / C-1438

Krüger-Brand, Heike E.

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Ärzte vom Krebszentrum des Dresdener Universitätsklinikums besprechen mit ihren Kollegen in Freiberg Diagnose und Therapie von dort behandelten Krebspatienten. Foto: Marc Eisele, Universitätsklinikum Dresden
Ärzte vom Krebszentrum des Dresdener Universitätsklinikums besprechen mit ihren Kollegen in Freiberg Diagnose und Therapie von dort behandelten Krebspatienten. Foto: Marc Eisele, Universitätsklinikum Dresden

Das Dresdener Universitätsklinikum und das Kreiskrankenhaus Freiberg haben ein Tumorkonferenzprojekt gestartet, das Pilotfunktion für Sachsen haben soll.

Mit einem telemedizinischen Tumorboard wollen das Universitätsklinikum Dresden und das Kreiskrankenhaus Freiberg künftig die fachübergreifende Behandlung von krebskranken Patienten verbessern. So ermöglicht es das Teletumorboard bereits zu Beginn der Behandlung, Disziplinen wie etwa die Strahlentherapie in die Planung einzubeziehen, die das Freiberger Kreiskrankenhaus selbst nicht vorhalten kann.

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In der Startphase setzen sich die Ärzte beider Krankenhäuser einmal wöchentlich zusammen, um die Diagnose und Therapie von Freiberger Krebspatienten zu besprechen. Dazu muss sich keiner der Beteiligten mehr ins Auto setzen: Über die telemedizinische Infrastruktur wird eine Liveübertragung geschaltet, bei der ein gemeinsamer Zugriff auf Röntgenbilder, MRT-Aufnahmen und elektronische Krankenakten möglich ist. „Statt unser Wissen im Elfenbeinturm zu horten, geben wir es im Sinne der Patienten an die Fachkollegen der regionalen Krankenhäuser weiter“, sagte Prof. Dr. med. Michael Albrecht bei der Präsentation des Projekts Mitte Juni 2010. Der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums ist zugleich Sprecher der Gesundheitsregion Carus Consilium Sachsen, die den Aufbau der telemedizinischen Kooperation organisiert hat.

Pilotfunktion für Sachsen

„Die Etablierung eines telemedizinischen Tumorkonsils zwischen dem Universitätskrebszentrum und dem Krankenhaus Freiberg gGmbH wird eine Pilotfunktion für ganz Sachsen haben. Damit können wir langfristig sicherstellen, dass die Qualität der medizinischen Versorgung nicht davon abhängt, ob ein Patient in Dresden, im Erzgebirge oder in der Oberlausitz wohnt“, erklärte die sächsische Staatsministerin für Soziales, Christine Clauß. Mit Netzwerken wie diesem werde medizinisches Know-how, das notwendigerweise an Zentren wie dem Uniklinikum entwickelt werden müsse, jederzeit und überall in Sachsen verfügbar. Das Ministerium hatte den Aufbau der telemedizinischen Infrastruktur mit einem fünfstelligen Eurobetrag gefördert.

Die Telekonferenzen ermöglichen es dem Freiberger Krankenhaus, rasch mit den Experten des universitären Krebszentrums Kontakt aufzunehmen, um Diagnostik und Therapie gemeinsam abzuklären. Falls spezielle Verfahren angewendet werden müssen, kann der Patient ins Universitätsklinikum verlegt werden. Angestrebt werde aber grundsätzlich zunächst eine heimatnahe Versorgung auf höchstem Niveau, betonte Prof. Dr. med. Gerhard Ehninger, der Geschäftsführende Direktor des Krebszentrums.

Das Tumorboard trägt für das Freiberger Krankenhaus dazu bei, auch in Zeiten knapper finanzieller Ressourcen Patienten durch die intelligente Nutzung moderner Technik optimal zu versorgen. Die im Rahmen der Tumorkonferenzen getroffenen Therapieentscheidungen bieten für die Patienten zudem mehr Transparenz und Sicherheit. Dies zeigt sich an der strukturierten Online-Dokumentation, die unter anderem die Entscheidungen des Tumorboards und den Verlauf der Therapie umfasst und zudem der wissenschaftlichen Auswertung der Behandlungsergebnisse dient, um die Therapien weiter zu optimieren.

Damit auch Patienten aus dem Einzugsgebiet weiterer regionaler Krankenhäuser von dem Wissenstransfer der Dresdener Universitätsmedizin profitieren, ist die Gesundheitsregion Carus Consilium Sachsen maßgeblich an acht weiteren Projekten zum Ausbau der Telemedizin beteiligt. Weil bei der Versorgung von Patienten mit seltenen oder schweren Erkrankungen zwischen den Ballungszentren und den ländlichen Regionen ein starkes Ungleichgewicht sowohl hinsichtlich der Geräteausstattung als auch der ärztlichen Expertise besteht, ist die Telemedizin zunehmend eine wichtige Komponente, um eine hochwertige Versorgung sicherzustellen. Das Modell des Tumorboards soll daher auch den Grundstein für eine flächendeckende Anbindung weiterer Partner in der Gesundheitsregion legen.

Heike E. Krüger-Brand

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