ArchivDeutsches Ärzteblatt34-35/2010Ärztemangel: Veraltete Hierarchien
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Der angehende Arzt m/w erfährt im theorieüberlasteten Studium vor allem, dass er im Klinikbetrieb nur stört und lästig ist, als PJler wird er mit Billiglohn zu Hilfsarbeiten ausgenutzt und lernt nichts. Als Assistenzarzt m/w erfährt er keine Weiterbildung, die auch nur annähernd den Weiterbildungsinhalten anderer westlicher Länder entspricht, und als niedergelassener Arzt m/w hört er nur zwei Begriffe: Mengenbegrenzung und finanzielle Haftung für alles, was er tut und verschreibt.

An den Universitätsklinika herrscht der Hochmut der Ordinarien wie zu Sauerbruchs Zeiten. Es fehlt jeder, aber auch jeder Respekt vor der Tätigkeit des Kollegen Hausarzt m/w. An den übrigen Klinika findet man ein Chefarztwesen uralter deutscher Ordnung. Die Ärztekammern sind ohnmächtig, wenn Chefärzte reihenweise ihrer Weiterbildungsermächtigung nicht nachkommen und schicken Fragebögen über die Effektivität der Weiterbildung nicht an die betroffenen Ärzte, sondern an die Chefarzt-Sünder.

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Und weil diese Probleme öffentlich weitgehend tabuisiert werden, wundern sich viele, warum junge deutsche Ärzte m/w lieber ins Ausland abwandern. Es ist nicht das Geld, es sind die Hierarchien von anno dunnemals, die einfach nicht mehr in die heutige Zeit passen . . .

Dr. Albrecht Kühn, 72070 Tübingen

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