ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1997Röntgenaufnahme schließt intrakranielle Verletzungen nicht aus

MEDIZIN: Referiert

Röntgenaufnahme schließt intrakranielle Verletzungen nicht aus

Dtsch Arztebl 1997; 94(39): A-2507 / B-2139 / C-2003

Lloyd

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LNSLNS Eine Schädelfraktur bei Kindern ist häufig mit einer intrakraniellen Verletzung assoziiert. Deswegen werden in der klinischen Routine bei Vorliegen einer stumpfen Kopfverletzung Röntgenaufnahmen des Schädels angefertigt. Eine englische Arbeitsgruppe untersuchte die Frage, ob anhand der konventionellen Röntgenuntersuchung des Schädels eine intrakranielle Verletzung bei Kindern effektiv und sicher vorhergesagt werden kann.
In den Jahren von 1993 bis 1995 wurden 9 269 Kinder in der Notfallabteilung des Alder Hey Children’s Hospital in Liverpool wegen einer Kopfverletzung behandelt. Der Schädel wurde bei 6 011 Kindern geröntgt. Die Beurteilung der Aufnahmen erfolgte zunächst durch das Personal der Notaufnahme und danach durch einen Kinderradiologen. Eine Computertomographie des Schädels als diagnostischer "Goldstandard" wurde meistens bei radiologisch nachgewiesener Fraktur oder bei Vorliegen einer klinisch auffälligen neurologischen Symptomatik angefertigt. Einschlußkriterien der durchgeführten Studie waren entweder die stationäre Behandlung der Kinder aufgrund einer Kopfverletzung oder die radiologisch nachgewiesene Schädelfraktur. Insgesamt wurden die Daten von 883 Kindern ausgewertet.
Die Röntgenbilder zeigten 162 Frakturen. Initial wurden 37 Frakturen (23 Prozent) durch das Personal der Notaufnahme übersehen. Die 156 durchgeführten Computertomographien wiesen bei 107 Kindern Schädelfrakturen und in 23 Fällen intrakranielle Verletzungen nach. Bei diesen 23 betroffenen Kindern stellte sich nur in 15 Fällen (65 Prozent) eine Fraktur auf den konventionellen Röntgenaufnahmen dar. Eine neurologisch auffällige Symptomatik wurde jedoch bei 21 Kindern (91 Prozent) beobachtet. Insgesamt verstarben vier Kinder. In dieser Gruppe lag nur in einem Fall eine Schädelfraktur vor. Demzufolge können bei Kindern schwere intrakranielle Verletzungen auch ohne Schädelfraktur auftreten. Die Röntgenuntersuchung des Schädels ist nach Meinung der Autoren nicht geeignet, eine intrakranielle Verletzung zuverlässig auszuschließen. Sie sei lediglich indiziert, wenn eine Schädelimpressionsfraktur oder eine penetrierende Verletzung vermutet wird. Ferner sollten bei Verletzungen, die in keinem Zusammenhang mit einem Unfall stehen, und bei Kindern unter zwei Jahren Radiographien angefertigt werden. Eine klinisch auffällige neurologische Symptomatik ist, im Vergleich zur Röntgenaufnahme, bei der Vorhersage einer intrakraniellen Verletzung nach Ansicht der Autoren eher verläßlich. Sollten bildgebende Verfahren zur weiteren Diagnostik notwendig werden, wäre die Computertomographie die Methode der Wahl. mll
Lloyd DA et al.: Predictive value of skull radiography for intracranial injury in children with blunt head injury. Lancet 1997; 349: 821-824.
Prof. Lloyd, Institute of Child Health, Alder Hey Children’s Hospital, Eaton Road, Liverpool L12 2AP, Großbritannien.

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