ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2010Börsebius: Die Rede von der Abrede

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Börsebius: Die Rede von der Abrede

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Kleider machen Leute, Worte erzeugen Laute. Je lautmalerischer, desto mehr Botschaft kann dabei wohldosiert unter’s Volk gebracht werden. So versuchte vor einiger Zeit eine Bank, deren Namen ich jetzt nicht groß verraten will, die aber für eine bestimmte Berufsgruppe dienstleistend tätig sein möchte, Inhaberschuldverschreibungen mit „Nachrangabrede“ an den Mann oder die Frau zu bringen. Wie ich höre, geschah dies durchaus mit Erfolg, denn die kluge Wortwahl sollte, das denke ich mir zumindest, wohldosiert die Botschaft verkünden, dass eine Nachrangabrede so etwas wie eine Vereinbarung sei, was sie ja in der Tat auch ist.

Aber am Ende des Tages ist es eben doch nicht so, dass diese Vereinbarung in beiderseitigem Interesse getroffen wird, denn die Nachrangabrede sagt nichts mehr und nichts weniger aus, als dass es sich hier um eine nachrangige Anleihe handelt.

Nun gut, die „Nachrangigkeit“ einer Anleihe hat jetzt auch nicht unbedingt eine überaus abschreckende Wirkung. So versuchte die Commerzbank jüngst, ihre Nachranganleihe (LT2) 2017 mit der Wertpapierkennnummer CZ2 25X zu promoten und schrieb in ihre Prospektkurzbeschreibung mal eben ganz locker das Attribut „attraktiv“ hin. Ein Kunde erzählte mir auch, der Berater habe ihm gar empfohlen, seinen Cominvest Total Return zu verkaufen und dafür eben diese LT2-Nachranganleihe zu präferieren.

Was bedeutet denn nun aber diese Nachrangabrede oder eine nachrangige Anleihe wirklich? Das heißt schlicht, dass diese Gläubigergruppe eine nachrangige Stellung gegenüber anderen (vorrangigen) Forderungen besitzt. Im Insolvenzfall geht diese Gruppe nicht selten leer aus oder erhält nur eine mickrige Quote, da eben nach Rang befriedigt wird. Da hilft es auch nicht weiter, dass Upper-Tier-2-Anleihen (zum Beispiel Genussscheine) noch nachrangiger sind als Lower-Tier-2-Anleihen. Nachrangig ist nachrangig.

Persönlich habe ich im Grunde auch nichts gegen diese Nachranganleihen, die werden schließlich deutlich besser verzinst als darbende Tages- und Festgelder. Aber was mir nicht gefällt, ist die Verbrämung des Ganzen mit vermeintlichen Harmlosigkeiten (Lower-Tier-2) in der Namensgebung. Warum kann denn die Bank nicht einfach dem Kunden sagen, „lieber Kunde, hiermit biete ich dir eine Anleihe zum Kauf an, und weil die nachrangig ist, wird sie im – zwar unwahrscheinlichen, aber denkbaren – Insolvenzfall schlechter behandelt als die Forderungen anderer Gläubiger. Dafür gibt es im Gegenzug – für das höhere Risiko – auch attraktivere Zinsen. Und außerdem unterliegt eine Nachranganleihe üblicherweise nicht der Einlagensicherung“.

Zuviel verlangt? Mag sein, aber wer nicht Ross und Reiter nennt, handelt nicht ehrlich. Denn wenn es zum Fall kommt, kann es richtig wehtun.

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