MEDIEN

Intensivmedizin: Ausführliche Praxisanleitung

Dtsch Arztebl 2010; 107(36): A-1706 / B-1506 / C-1486

Praetorius, Frank

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Der historische Standardkatalog von Kenntnissen der Pathophysiologie, Differenzialdiagnose und -therapie in der gesamten Inneren Medizin wird auf den heutigen Schwerpunktstationen nicht mehr praktiziert; man ruft lieber gleich die Spezialisten zum Konsil. Bei krisenhaften Situationen erklärt man den Patienten zum „Intensivpflichtigen” und verlegt ihn dorthin.

Von der internistischen Intensivmedizin wird Enormes verlangt. Sie soll ebenso mit den Notfällen aus Kardiologie, Nephrologie, Gastroenterologie und Pulmologie fertig werden wie mit endokrinen oder rheumatologischen Krisen, mit Sepsis, akuten Gefäßverschlüssen oder – immer häufiger – mit Intoxikationen und dramatischen Arzneimittelnebenwirkungen. Zwar wurde kürzlich gezeigt, dass man durch tägliche multidisziplinäre Visiten die Mortalität von Intensivpatienten senken kann, doch steht in der Akutsituation wenig Zeit für Konsiliardiskussionen und Internetrecherchen zur Verfügung. Deshalb ist eine übersichtliche und systematische Zusammenfassung des über die Teildisziplinen weit verstreuten Fachwissens sehr gefragt – nicht nur zur Prüfung nach der Weiter­bildungs­ordnung.

„Repetitorium“ im üblichen Sinne meint eher Wiederholung von Wissen und Kenntnissen für die Prüfung. Das „Repetitorium Internistische Intensivmedizin“ ist dagegen eine sehr gute und ausführliche Praxisanleitung. Es enthält auf 508 Seiten weit mehr als manches der gefährlich reduzierenden Arztkittel-Taschenbücher. Beim Vergleich mit einem Lehrbuch „Innere“ fehlen eigentlich nur einige Gebiete, die der Allgemeinmedizin zugehören, und das Thema Prophylaxe. Im Gegensatz zum üblichen Lehrbuchunwesen fungieren Michels und Kochanek in fast allen Kapiteln als Hauptautoren. Sie vermeiden so die Gefahr der schlichten Addition von Spezialistenwissen (es ist ja immer etwas absurd, wenn aus einem Leser von Spezialistenkapiteln ein allen überlegener Superspezialist hervorgehen soll), und sie erreichen trotz konsequenter Straffung eine beeindruckende stilistische Einheit. Dem Leser helfen die vielen übersichtlichen Schemata: Das alles kann niemand sofort parat haben – aber sehr schnell wiederfinden, wenn er einmal die Zusammenhänge in Ruhe zur Kenntnis genommen hat. Der Rezensent hat als regelmäßiger Prüfer für das Fach „Spezielle Internistische Intensivmedizin“ und Intensivmediziner der ersten Stunde (unter Karla Ibe) bei dieser Lektüre viel dazugelernt und empfiehlt das „Repetitorium“ auch jenen zur Auffrischung, die nicht auf der Intensivstation arbeiten.

Es ist schon richtig, wie Jürgen Schölmerich kürzlich schrieb, dass „Leitungspositionen mit intensivmedizinischen Qualifikationen ohne weitere Schwerpunktbezeichnungen eher selten sind“. Aber wie soll eine Laufbahnoption ohne „eigenen Schwerpunkt im Sinne der Weiter­bildungs­ordnung“ entstehen? Die Autoren des „Repetitorium Internistische Intensivmedizin“ haben einen hohen Standard für die berufspolitisch dringend notwendige Beantwortung dieser Frage gesetzt.

Frank Praetorius

Guido Michels, Matthias Kochanek (Hrsg.): Repetitorium Internistische Intensivmedizin. Springer, Heidelberg 2010, 508 Seiten, kartoniert, 39,95 Euro

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