ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2010Richtigstellung: Sicheres Mittel der Kommunikation
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Dass die neue Hessische Signaturkarte – der elektronische Arztausweis der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen – an prominenter Stelle im DÄ gewürdigt wird, ist erfreulich. Damit wird die Aufmerksamkeit auf ein Ausweismodell gelenkt, das den Anforderungen der Ärzteschaft an ein sicheres elektronisches Kommunikationsmittel entspricht.

Da das Editorial allerdings teilweise unzutreffende, möglicherweise auf Missverständnissen beruhende Aussagen enthält, sollen diese im Folgenden richtiggestellt werden.

Anzeige

Der indirekte Vergleich des hessischen Projekts mit föderalistischen „Auswüchsen“ trifft nicht zu: Das hessische Signaturkarten-Projekt ist auf der Grundlage demokratischer Entscheidungen entwickelt worden. Sowohl auf Bundesebene (Deutscher Ärztetag Ulm 2008, Mainz 2009, Dresden 2010) als auch auf Landesebene (Delegiertenversammlung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen, März 2007, März und November 2008) wurden die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und der elektronische Heilberufsausweis (HBA) von der Ärzteschaft in ihrer vorliegenden Form abgelehnt. Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen setzt daher nur konsequent die Forderungen der Ärztinnen und Ärzte auf Bundes- und Landesebene um.

Der Begriff „proprietär“, mit dem der Ausgabeprozess des hessischen Arztausweismodells beschrieben wird, ist negativ besetzt, da er von Fachleuten mit nicht kompatibel, nicht gut funktionsfähig etc. assoziiert wird. Zu Unrecht in diesem Fall.

Tatsächlich hat die Lan­des­ärz­te­kam­mer einen standardisierten Ausgabeprozess entwickelt, der sich schon in einem ähnlichen Projekt bewährt hat und dem Heilberufsgesetz gerecht wird. Die Ärztekammer ist Herausgeber des Heilberufsausweises; eine Ausgabe direkt durch ein Trustcenter ist nicht vorgesehen. Da es sich bei der Ausgabe von Arztausweisen um eine hoheitliche Aufgabe der Ärztekammern handelt, ist ein Outsourcing an Dritte, zum Beispiel im Rahmen des geplanten HBA, als bedenklich einzustufen.

Anders als in dem Editorial nachzulesen, hat die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen mit der Einführung einer eigenen elektronischen Signaturkarte zu keiner Zeit beabsichtigt, die eGK zu verhindern. Vielmehr soll Ärztinnen und Ärzten damit eine rechtlich sichere Kommunikationsmöglichkeit geboten werden. Allerdings weisen wir darauf hin, dass die hessische Signaturkarte nicht mit der – noch gar nicht existenten – eGK kompatibel ist.

Auch die Aussage, der hessische Ausweis sei nicht kammerübergreifend gültig, bedarf der Korrektur:

Der Ausweis ist kammerübergreifend gültig, da jedes hessische Mitglied nach wie vor, ob in Bayern oder in Schleswig-Holstein, zum Beispiel in Apotheken die „Sichtausweisfunktion“ nutzen kann, um Medikamente zu kaufen. Bestes Beispiel hierfür ist die seit zwei Jahren in Hessen eingeführte „Plastikkarte“ (Arztausweis in Checkkartenformat ohne Chip), die schon von 9 000 Ärztinnen und Ärzten in Hessen beantragt wurde. Bisher gab es keinerlei Beanstandungen in anderen Bundesländern, obwohl die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen und die Bezirksärztekammer Nord-Württemberg auch in diesem Fall eine Vorreiterrolle übernommen haben. Andere Kammern überlegen, dem hessischen Beispiel zu folgen.

Wenn in dem Editorial behauptet wird, der hessische Ausweis unterstütze auch nicht die berufsrechtlichen Anforderungen hinsichtlich der Kartensperrung bei Entzug der Approbation, so ist dies falsch. Selbstverständlich werden alle berufsrechtlichen Vorgaben erfüllt. Der Ausweis kann jederzeit gesperrt werden, da im Antragsprozess der neue Karteninhaber das Sperrrecht des elektronischen Zertifikats auf die Lan­des­ärz­te­kam­mer überträgt.

Im Unterschied zu der Darstellung im DÄ legt die hessische Alternative ihren Fokus gerade auf die (rechtssichere) innerärztliche Kommunikation. Sie ermöglicht es Ärztinnen und Ärzten, mit bestehenden Standards sicher, schnell und kostengünstig zu kommunizieren. Der Sinn unseres Ausweises ist es, dass er ohne großen Aufwand schon zum jetzigen Zeitpunkt funktioniert.

Zunächst wird die neue Hessische Signaturkarte in einem Pilotprojekt getestet; anschließend sollen die Ergebnisse bundesweit veröffentlicht werden. Diese können aus unserer Sicht wesentlich zu einer umfassenden Lösung auf Bundesebene beitragen.

Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen,
60488 Frankfurt

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema