ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2010Diabetes mellitus Typ 1: Insulinpumpentherapie mit kontinuierlicher Blutzuckerbestimmung

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes mellitus Typ 1: Insulinpumpentherapie mit kontinuierlicher Blutzuckerbestimmung

Dtsch Arztebl 2010; 107(36): A-1700 / B-1501 / C-1481

Heinzl, Susanne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Bislang war nicht bekannt, ob sich mit einer um einen Sensor ergänzten Insulinpumpe die Stoffwechseleinstellung bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 verbessern lässt, wenn trotz täglich mehrfacher Insulininjektionen das Therapieziel nicht erreicht wird. Die Frage wurde in einer multizentrischen randomisierten Studie über ein Jahr untersucht.

Bei der mit einem Sensor ergänzten Insulinpumpe wird mit Hilfe eines unter der Haut eingepflanzten Glukosesensors alle fünf Minuten die Blutzuckerkonzentration gemessen. Der Messwert wird drahtlos an einen Glukosemonitor gesendet, und der Patient appliziert sich mit der Pumpe die entsprechende Insulindosis. In der STAR-3-Studie (Sensor-Augmented Pump Therapy for A1C Reduction) wurde bei 329 Erwachsenen und 156 Kindern mit nicht ausreichend kontrolliertem Typ-1-Diabetes die Wirksamkeit einer sensorergänzten Pumpentherapie mit einer konventionellen Insulintherapie mit täglich mehrmaligen Injektionen verglichen. Der HbA1c-Wert sank mit der Pumpentherapie von 8,3 auf 7,5 %, während er in der Kontrollgruppe nur von 8,3 auf 8,1 % abnahm (p < 0,001) (Grafik). Schwere Hypoglykämien waren mit 13,31 vs. 13,48 pro 100 Personenjahre in beiden Gruppen ähnlich häufig.

In einem begleitenden Editorial wird darauf hingewiesen, dass die STAR-3-Studie damit – wie auch einige andere randomisierte Studien – den Wert der kontinuierlichen Blutzuckermessung belegt hat: verbesserte Einstellung des Diabetikers ohne Erhöhung des Hypoglykämierisikos. Allerdings ist die Umsetzung dieser Technik in den klinischen Alltag nicht so einfach. Neben Kostenaspekten ist eine sorgfältige Schulung des Patienten zum Selbstmanagement seiner Erkrankung erforderlich. Die Technik stellt an den Patienten erhöhte Anforderungen: Er muss mit dem Sensor umgehen und auf eventuell auftretende Störungen richtig reagieren können, und er muss ein zusätzliches Gerät am Körper tragen.

Fazit: Die moderne Technik der mit einem Sensor ausgestatteten Insulinpumpentherapie kann schlecht eingestellten Typ-1-Diabetikern helfen, die Blutzuckereinstellung zu verbessern. Sie erfordert jedoch eine umfangreiche Schulung des Patienten und eine hohe Bereitschaft zur Mitarbeit.

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. Bergenstal RM et al.: Effectiveness of sensor-augmented insulin-pump therapy in type 1 diabetes. NEJM 363; 2010: 311–20.
  2. Wolpert HA: Continuous glucose monitoring––coming of age. NEJM 363; 2010: 383–4.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige