ArchivDeutsches Ärzteblatt36/2010Kreuzbandruptur: Frühe Kreuzbandplastik nicht effektiver als verzögerte

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kreuzbandruptur: Frühe Kreuzbandplastik nicht effektiver als verzögerte

Dtsch Arztebl 2010; 107(36): A-1699 / B-1500 / C-1480

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Verschiedene Therapieformen der Kreuzbandruptur sind von schwedisch-dänischen Forschern verglichen worden. Hierfür wurden 121 Patienten (18 bis 35 Jahre) mit kompletten Rupturen des vorderen Kreuzbands in zwei Gruppen randomisiert: Rehabilitation plus frühe Rekonstruktion durch Kreuzbandplastik (Patellarsehne oder „Hamstring“) im Zeitraum bis 10 Wochen nach Verletzung oder Physiotherapie und Operation nur dann, wenn sich mit konservativem Vorgehen kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen lässt („wait and see“). Es resultierten drei Gruppen mit letztlich 119 nach Protokoll behandelten Patienten: Rehabilitation allein, Reha plus frühe Kreuzbandplastik, Reha plus verzögerte Operation (Grafik). Die Effektivität wurde binnen zwei Jahren mit Hilfe des Knee Injury and Osteoarthritis Outcome Score (KOOS, schlechtestes bis bestes Ergebnis 0 bis 100 Punkte) evaluiert. Darin gehen Schmerzen, andere Symptome, Kniefunktion und mit dieser eine assoziierte Lebensqualität ein. Von 59 Patienten aus der Gruppe „wait and see“ wurden 23 verzögert operiert (im Durchschnitt 11,6 Monate nach Randomisierung), 36 kamen mit Rehabilitation allein aus (62 %). Der KOOS verbesserte sich um durchschnittlich 39,2 Punkte bei früher Operation, und um 39,4 bei der Strategie „wait and see“ (p = 0,96 bei 95%-KI).

Fazit: Bei körperlich aktiven Patienten ist die frühe chirurgische Intervention der Kreuzbandruptur nicht effektiver als die Rehabilitation plus verzögerter Operation. Möglicherweise ließen sich bei diesem Vorgehen mehr als 60 % der Kreuzbandplastiken vermeiden. Prof. Dr. med. Peer Eysel (Universität zu Köln) möchte das Ergebnis wie folgt einschränken: „Die Studie geht nicht auf die individuellen Bedürfnisse hinsichtlich Belastbarkeit des Patienten ein. So profitieren auch junge sportliche Patienten von einer operativen Rekonstruktion des Kreuzbands durch die erhöhte Stabilität des Kniegelenks.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Frobell RB, Roos EM et al.: A randomized trial of treatment for acute anterior cruciate ligament tears; NEJM 363; 2010: 331–42.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Anzeige