ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2010Glauben: Mut zur Religionskritik
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Dieser Schmuseartikel zu religiösen Fundamentalisten war das Unwissenschaftlichste, was ich je im Deutschen Ärzteblatt gelesen habe. Wir dürfen nicht übersehen, dass die Glaubensüberzeugungen vieler tiefreligiöser Personen menschenverachtende Praktiken legitimieren, etwa die Diskriminierung von Frauen und Homosexuellen, und auf unsinnigen, längst widerlegten Annahmen über die Welt beruhen, etwa der Vorstellung, die Menschheit sei das intendierte Ziel einer planvollen „Schöpfung“, was den Erkenntnissen der Evolutionsbiologie diametral widerspricht. Solche inhumanen oder unsinnigen Überzeugungen zu respektieren, käme einem Verrat an den Idealen von Humanismus und Aufklärung gleich. Man kann Patienten sehr wohl Richard Dawkins „Der Gotteswahn“ empfehlen. Schon Sigmund Freud bezeichnete Religion als Massenwahn (in: „Die Zukunft einer Illusion“) und, alleine ausgeübt, als Zwangsneurose.

Psychotherapeuten sollen „Kontakt zu Priestern“ suchen und geistliche Führer um „Hilfestellung“ bitten? Das wäre die Bankrotterklärung jeglicher wissenschaftlich fundierten Psychotherapie. Wenn homosexuelle Jugendliche durch ihre fanatisch religiösen Familien in die schwere Depression und den Suizidversuch getrieben werden, haben Psychotherapeuten die Pflicht, klar und deutlich Stellung zu beziehen. Liebe Psychotherapeuten: Habt Mut zur Religionskritik! Gott ist eine Behauptung. Menschenrechte sind real.

Dipl.-Psych. Frank Hichert, 50672 Köln

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