ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2010Hypnotherapie: Vorstellung der Grundbegriffe

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Hypnotherapie: Vorstellung der Grundbegriffe

PP 9, Ausgabe September 2010, Seite 423

Kattermann, Vera

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Im Bereich der Psychotherapie gibt es bis heute wenige Methoden, auf die mit ähnlich viel Skepsis und Vorbehalten reagiert wird, wie die Hypnosetherapie – obwohl sie als Vorläufer der Psychoanalyse und damit der modernen psychotherapeutischen Verfahren gilt. Vorstellungen von Manipulation, Unterwerfung und Unmündigmachen des Patienten prägen bis heute unterschwellig das Meinungsbild, auch wenn seit dem Einfluss von Milton Erickson die respektvolle Begleitung des Patienten auf seiner Suche nach eigenen Antworten im Vordergrund steht. Die Nutzung unbewusster Prozesse macht sie zu einer oft unterschätzten Behandlungsmethode, kann sie doch auf kreative und zugleich kunstvolle Weise tiefgreifende therapeutische Prozesse anstoßen. Mit ihrer Vielfalt von Zugängen, die bei vielen Störungsbildern eingesetzt werden können, ist ihr Anwendungsspektrum sehr breit. Wie aber lassen sich die hypnotherapeutischen Methoden theoretisch vermitteln?

Den Autoren Arno Müller und Christian Stickel ist mit ihrem Buch „Das Tor zur Trance – Theorie und Praxis der Hypnotherapie“ eine ambivalente Lösung für diese Herausforderung gelungen. Das Buch stellt die Grundbegriffe und damit die Breite des Handwerkszeugs der Hypnotherapie systematisch vor – diese Zusammenschau ist gut nachvollziehbar aufgebaut und gut verständlich erklärt. Für die Vertiefung bleibt das Buch aber eher unbefriedigend. Denn die Lösung der Frage, wie die vorgestellten Techniken auch konkret umgesetzt und zur Anwendung gebracht werden können, kann nicht nur darin liegen, einfach zahllose Verbatim-Protokolle von hypnotischen Suggestionen und hypnotherapeutischen Behandlungsausschnitten aneinanderzureihen. Das ist in der Ausführlichkeit nicht nur etwas mühsam, sondern auf Dauer auch unerfreulich zu lesen. Es suggeriert zudem, es gebe eine Art kochrezeptartiges Standardvorgehen der Hypnotherapie und negiert die Tatsache, dass nicht nur jeder Patient unterschiedlich ist und auf eine andere Herangehensweise anspricht, sondern dass auch jeder Therapeut seinen eigenen Stil finden muss.

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So kann das Buch denen empfohlen werden, die die hypnotherapeutische Arbeit erst einmal kennenlernen wollen und die sich konkrete Hinweise und Anregungen für die Ausarbeitung von Trance-Arbeit wünschen. Um Lust auf das Experimentieren mit der eigenen therapeutischen Kreativität zu entwickeln, wird es wohl anderer Zugänge bedürfen. Vera Kattermann

Arno Müller, Christian Stickel: Das Tor zur Trance. Theorie und Praxis der Hypnotherapie. Junfermann Verlag, Paderborn 2010, 320 Seiten, kartoniert, 29,90 Euro

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