ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2010Erziehung: Angstinduktion durch Eltern

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Erziehung: Angstinduktion durch Eltern

PP 9, Ausgabe September 2010, Seite 403

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Ängste können sich schon in der Kindheit ausprägen. Dafür mitverantwortlich sind oft die Eltern. Das belegt ein Experiment niederländischer Psychologen um Peter Muris von der Erasmus University Rotterdam. Sie zeigten 88 Eltern von acht- bis 13-jährigen Kindern das Bild eines fiktiven australischen Tiers (ähnlich einem Affen) und gaben ihnen positive, neutrale oder negative Informationen über das Tier. Außerdem sollten sich die Eltern verschiedene Situationen mit dem Tier vorstellen, zum Beispiel, dass sich ihr Kind dieses Tier zum Geburtstag wünscht, dass sie den Käfig des Tieres säubern sollen oder dass das Tier bei einem Spaziergang plötzlich vor ihnen auftaucht. Dann sollten sie ihren Kindern von dem Tier erzählen und ihnen berichten, was in den genannten Situationen wohl geschehen werde. Die Gespräche wurden per Video aufgezeichnet und ausgewertet. Es zeigte sich, dass Eltern, die negative Informationen erhalten hatten, ihren Kindern in negativer Weise von dem Tier berichteten und ihnen Angst einflößten, wohingegen positive Informationen zu einer positiven Berichterstattung führten. Eltern mit neutralen Informationen charakterisierten das Tier neutral und ambivalent, außer wenn sie von angeborener Ängstlichkeit betroffen waren. Dann tendierten sie dazu, neutrale Informationen mit negativen und angstauslösenden Details auszuschmücken. „Angst bei Kindern wird maßgeblich von den Informationen und Verhaltensweisen der Eltern beeinflusst“, meinen die Wissenschaftler. Sie empfehlen vor allem ängstlichen Eltern und Eltern von Kindern mit Angststörungen, sich solche Lernmechanismen bewusst zu machen und vorwiegend positive Informationen zu geben, um zu vermeiden, dass Kinder sich bedroht fühlen und starke Ängste entwickeln. ms

Muris P, van Zwol L, Huijding J, Mayer B: Mom told me scary things about this animal: Parents installing fear beliefs in their children via the verbal information pathway. Behavior Research and Therapy 2010; 48(4): 341–6.
Peter Muris, Institute of Psychology, Erasmus University Rotterdam, Burgemeester Oudlaan 50, Suite T13–37, Postbus 1738, 3000 DR Rotterdam (NL), E-Mail: muris@fsw.eur.nl

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