ArchivDeutsches Ärzteblatt PP9/2010Aussenseiterkunst: Bruno Ophaus – Angst als Lebensthema

KUNST UND SEELE

Aussenseiterkunst: Bruno Ophaus – Angst als Lebensthema

Lübking, Margit

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Geisterhafte Gestalt – Ophaus’ Bild zeigt auf anrührende Weise eine Person in ängstlicher Erstarrung, einen Menschen, der Hilfe sucht. Foto: Eberhard Hahne
Geisterhafte Gestalt – Ophaus’ Bild zeigt auf anrührende Weise eine Person in ängstlicher Erstarrung, einen Menschen, der Hilfe sucht. Foto: Eberhard Hahne

Voller Angst blickt uns die Person auf dem Bild von Bruno Ophaus an. Starr ist ihr Blick auf den Betrachter gerichtet. Mit reglosem Gesicht sitzt sie weit vorgebeugt auf der Kante eines Stuhls, dessen viel zu hohe, fragile Lehne ihr keinen Halt bieten kann. Die Arme liegen eng am Körper an, die Hände scheinen fest im Schoß gefaltet, so, als wollte sie in ihrer Angst wenigstens auf diese Weise etwas Halt finden. Fast geisterhaft hebt sich die weiße Gestalt vom vollkommen schwarzen Hintergrund ab. Nur wenige bräunliche Linien lassen ihre Konturen etwas plastischer erscheinen.

Bruno Ophaus gelingt es, mit wenigen, fast nachlässig aufgetragenen Pinselstrichen einen Menschen darzustellen, dessen Leid unaussprechlich scheint. Wir wissen nicht, was hinter ihm liegt. Vielleicht waren es ängstigende Erfahrungen in einer Psychose, die wir kaum nachempfinden können. Wir wissen auch nicht, was vor ihm liegt. Vielleicht ist seine Zukunft so dunkel wie der Hintergrund des Bildes, bestimmt durch die Angst vor einer neuen Krise. Dieses Bild ist in besonderer Weise anrührend, weil es einen Menschen zeigt, der nicht mehr in der Lage ist, sich und anderen etwas vorzumachen. Er braucht unbedingt Hilfe, das steht fest. Um gemeinsam herausfinden zu können, wie diese wohl aussehen könnte, müsste man sich ihm zuwenden und ihm helfen, seine ängstliche Erstarrung zu überwinden. Dann könnte er diese vielleicht bezwingen und aus der Dunkelheit ins Leben zurückkehren!

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Angst war ein Lebensthema von Bruno Ophaus, der sich in seinen Bildern auch mit religiösen Themen auseinandersetzte. So gestaltete er die Gefangennahme Jesu nach einer bekannten Vorlage, malte Kirchen, die er fast vollkommen schwarz übermalte, und die deshalb in einem düsteren Nebel zu versinken scheinen. Spott und Ironie sind probate Mittel, um Ängste abwehren zu können. Bruno Ophaus hat in mehreren Arbeiten Teufel als kleine, gehörnte Männer mit runden Bäuchen und dünnen Ärmchen dargestellt. Damit charakterisiert er sie als Wesen, die nicht viel ausrichten können, und vor denen man sich schon gar nicht fürchten muss.

Bruno Ophaus hat seine Arbeiten kaum kommentiert. Wir können deshalb nur mutmaßen, ob er in seinen Bildern eigene Erfahrungen zum Ausdruck gebracht hat. Sollte es aber so sein, wäre es tröstlich, zu wissen, dass er auch Aquarelle und Zeichnungen angefertigt hat, die nicht so dunkel und bedrohlich wirken. Vielmehr stellen sie viele verschiedene Tiere dar, deren Geschichte er erzählt. Das könnte dafür sprechen, dass auch er Trost und Hilfe finden konnte. Margit Lübking

Biografie Bruno Ophaus

Bruno Ophaus begann mit seinen ersten zeichnerischen Versuchen 1983, nachdem er schon etwa 40 Jahre in Haus Kannen (www.kunsthaus-kannen.de) gelebt hatte. Bis zu seinem Tod 1991 durchlebte er eine erstaunliche kreative Entwicklung.

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