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Wir bedanken uns für die Leserbriefe und begrüßen die darin enthaltene breite Zustimmung ebenso wie die mitgeteilten Anregungen.

Herrn Timmann möchten wir in seinen Hinweisen bestätigen. Es ist richtig, dass die stereotaktisch geführten läsionellen Eingriffe an subkortikalen Hirnregionen, die in manchen Zentren auch noch heute für therapieresistente psychiatrische Erkrankungen erwogen werden (1), Ergebnisse zutage förderten, die bei der Auswahl der Zielstruktur für eine Tiefe Hirnstimulation (THS) mitberücksichtigt werden. Denn durch Prozeduren wie vordere Kapsulotomie oder Zingulotomie konnten bei ausgewählten Patienten positive Effekte für behandlungsresistente psychiatrische Erkrankungen erzielt werden. Aufgrund der Destruktitivität und des damit verbundenen großen fakultativen Nebenwirkungsprofils konnten sich diese Verfahren aber nicht breit durchsetzen. Sie trugen aber zur Frage bei, ob nicht das weniger invasive, potenziell reversible Verfahren der THS, ansetzend an ähnlichen anatomischen Strukturen, die bisherigen Risiken und Nachteile eines operativen Eingriffes minimieren könnten.

Wir schließen uns der Meinung von Prof. Meyer an, dass es absolut erforderlich ist, auf diesem jungen Forschungsgebiet der Tiefen Hirnstimulation bei psychiatrischen Erkrankungen mit großer Sorgfältigkeit sämtliche Nebenwirkungen zu erfassen. Ein durch Euphorie infolge erster positiver Ergebnisse geleiteter unkritischer Umgang ist für das Verfahren an sich und auch für die mittels THS zukünftig zu behandelnden Patienten gefährlich. In diesem Zusammenhang sei erneut auf ein Forschungsprojekt zu den ethischen, sozialen und rechtlichen Aspekten der THS verwiesen, welches sich intensiv mit der Abwägung von Nutzen und Risiken des Verfahrens beschäftigt und auch der Frage nach einer möglichen Veränderung der Persönlichkeit bei THS-Patienten nachgeht (2).

Es ist in der Tat unzweifelhaft, dass die ersten vielversprechenden Behandlungsergebnisse bei psychiatrischen Patienten mit Tiefer Hirnstimulation durch internationale multizentrische Studien mit kontrollierten Bedingungen bestätigt werden müssen (3).

Gerne greifen wir die Anregung von Frau Dr. Rave-Schwank auf, die auf das Buch von Prof. Dr. H. Dubiel „Tief im Hirn“ verweist. Dieses Buch spielt in der Patientenperzeption eine wichtige Rolle. Herr Prof. Dubiel beschreibt in seinem Buch unter anderem das subjektive Erleben einer postoperativen Depression nach Einbringung von Stimulationselektroden in den Nucleus subthalamicus zur Behandlung eines Morbus Parkinson. Diese ernsthafte Komplikation tritt nach der Operation glücklicherweise eher selten und nur vorübergehend auf. Es sei uns aber erlaubt darauf hinzuweisen, dass durch die Tiefe Hirnstimulation bei Prof. Dubiel ein guter motorischer Effekt bewirkt wurde und dass Prof. Dubiel wiederholt auf verschiedenen Vorträgen mitgeteilt hat, dass er auch mit dem Wissen um seinen Krankheitsverlauf sich erneut operieren lassen würde.

Schließlich sei nochmals explizit angemerkt, dass, wenngleich es sich um das Verfahren der Tiefen Hirnstimulation handelt, der Einsatz bei Parkinson-Patienten nicht analog auf die Situation für Patienten mit therapieresistenten psychiatrischen Störungen zu übertragen ist.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0645b

Dr. med. Jens Kuhn

Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,

Klinikum der Universität zu Köln

Kerpener Straße 62, 50924 Köln

E-Mail: Jens.Kuhn@uk-koeln.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Taub A, Lopes AC, Fuentes D, et al.: Neuropsychological outcome of ventral capsular/ventral striatal gamma capsulotomy for refractory obsessive-compulsive disorder: a pilot study. J Neuropsychiatry Clin Neurosci 2009; 21: 393–7. MEDLINE
2.
Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes
binationales Projekt „Ethical, Legal and Social Aspects of Deep Brain Stimulation – Health, Quality of Life and Personal Identity
(ELSA-DBS)” (Projektkoordinatorin: Frau Prof. Dr. med. C. Woopen, Forschungsstelle Ethik, Universität zu Köln)
3.
Kuhn J, Gaebel W, Klosterkoetter J, Woopen C: Deep brain stimulation as a new therapeutic approach in therapy-resistant mental disorders: ethical aspects of investigational treatment. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci 2009; 259(Suppl 2): 135–41. MEDLINE
4.
Kuhn J, Gründler TOJ, Lenartz D, Sturm V, Klosterkötter J, Huff W: Deep brain stimulation for psychiatric disorders [Tiefe Hirnstimulation bei psychiatrischen Erkrankungen]. Dtsch Arztebl Int 2010(7); 107: 105–13. VOLLTEXT
1.Taub A, Lopes AC, Fuentes D, et al.: Neuropsychological outcome of ventral capsular/ventral striatal gamma capsulotomy for refractory obsessive-compulsive disorder: a pilot study. J Neuropsychiatry Clin Neurosci 2009; 21: 393–7. MEDLINE
2.Vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes
binationales Projekt „Ethical, Legal and Social Aspects of Deep Brain Stimulation – Health, Quality of Life and Personal Identity
(ELSA-DBS)” (Projektkoordinatorin: Frau Prof. Dr. med. C. Woopen, Forschungsstelle Ethik, Universität zu Köln)
3.Kuhn J, Gaebel W, Klosterkoetter J, Woopen C: Deep brain stimulation as a new therapeutic approach in therapy-resistant mental disorders: ethical aspects of investigational treatment. Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci 2009; 259(Suppl 2): 135–41. MEDLINE
4.Kuhn J, Gründler TOJ, Lenartz D, Sturm V, Klosterkötter J, Huff W: Deep brain stimulation for psychiatric disorders [Tiefe Hirnstimulation bei psychiatrischen Erkrankungen]. Dtsch Arztebl Int 2010(7); 107: 105–13. VOLLTEXT

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