ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2010Randnotiz: Unschuldiger Vollmond
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Wissenschaftler und Astrologen sind sich völlig einig darüber, dass der Mond Einfluss auf die Erde hat. Zum Beispiel regelt seine Anziehungskraft die Gezeiten Ebbe und Flut. Sogar die Kontinente heben und senken sich je nach Mondphase bis zu 26 Zentimeter. Wird aber auch der Mensch vom Mond – speziell vom Vollmond – beeinflusst? Ob Morde oder Suizide, Unfälle, Notrufe bei der Polizei oder Schlaflosigkeit – hartnäckig hält sich der Aberglaube, dass diese Unbillen dem fernen Trabanten zuzuschreiben sind. So gaben bei einer Umfrage 40 Prozent der Deutschen an, „mondfühlig“ zu sein.

Doch nun der wissenschaftliche Freispruch: Der Mond ist unschuldig. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Schlaflosigkeit und Vollmond gebe, teilte die Deutsche Angestellten-Krankenkasse Bayern jetzt mit. So hätten zuletzt österreichische Schlafforscher Testpersonen über einen Zeitraum von sechs Jahren ein Schlaftagebuch führen lassen. Das Ergebnis: Es gab keinen Zusammenhang zwischen der Mondphase und dem Schlaf.

„Die selbsterfüllende Prophezeiung, bei Vollmond schlechter zu schlafen, lässt uns dann auch wirklich schlechter schlafen“, kommentierte Schlafexperte Prof. Dr. med. Jürgen Zulley (Universitätsklinik Regensburg) das Ergebnis. Zudem habe der Mond eine geringere Lichtstärke als so manche Laterne. Daher könne auch die vermeintlich hellere Nacht bei Vollmond nicht für die Schlaflosigkeit verantwortlich sein.

Übrigens: Auch alle anderen Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Vollmond und dem Verhalten der Menschen (siehe oben) untersucht hatten, fielen negativ aus oder wiesen methodische Mängel auf.

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