ArchivDeutsches Ärzteblatt39/1997Sport und Krebs: Das Immunsystem wird gestärkt

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Sport und Krebs: Das Immunsystem wird gestärkt

Petersen, Ursula

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LNSLNS Sport bedeutet ein lust- und leistungsorientiertes Trai-ning muskulärer, mentaler und immunologischer Abwehrkräfte zum Zwecke eines wohlbefindlichen (Über-) Lebens im Hinblick auf die gesundheitschädigenden Angriffe von Mitmenschen, Parasiten, Bakterien, Viren und Krebszellen - eine pointiert ausgedrückte Formulierung zum Thema "Sport - Immunsystem und Krebs" von Prof. Gerhard Uhlenbruck (Köln) auf der 12. Tagung der Bayer AG an der Deutschen Sporthochschule in Köln.
Im Hinblick auf die Nachbehandlung von Krebskranken scheint moderater Ausdauersport günstig. Wissenschaftliche Arbeiten zeigen, daß sich durch körperliche Betätigung die immunologischen Parameter wie die Funktion der natürlichen Killerzellen bessern und daß eine kanzeroprotektive Wirkung auf gewisse Tumoren besteht. Allerdings ist man noch weit davon entfernt, daraus Empfehlungen geben zu können, ob Sport bei oder gegen Krebs einen günstigen Einfluß hat.
Die gängige Meinung, daß ein Zuviel an Sport schaden kann, widerlegte Prof. Ri-chard Rost (Köln) mit Beispielen an Leistungssportlern. Eine Schwächung des Immunsystems durch Überbelastung ist nicht bewiesen. Daten bei hochtrainier- ten Athleten mit teilweise sehr niedrigen serologischen Immunparametern konnten nicht auf eine verschlechterte Abwehrlage schließen lassen.
Rost dokumentierte, daß die vermehrte Sauerstoffaufnahme und damit die Steigerung des Sauerstofftransportes positive gesundheitliche Effekte auf das Immunsystem und die Karzigonese hat. Es ist nicht geklärt, ob die unter akuter Belastung gesteigerte Lipidperoxidation für die Entstehung freier Radikale verantwortlich ist oder ob diese als Folge von Muskelschädigungen auftreten. Nachweisbar ist jedoch, daß durch Training eine bessere Toleranz gegenüber oxidativem Streß gegeben ist und die spezifisch enzymatischen Abwehrsysteme gestärkt werden. Das heißt, oxidativer Streß wird vom Trainierten besser verkraftet. In der Beziehung von körperlicher Aktivität und Krankheitsrisiko ist bemerkenswert, daß sportliche Personen um den Faktor 4 seltener an Krebserkrankungen sterben. Dies spricht dagegen, daß freie Radikale durch körperliche Belastung ein erhöhtes Krebsrisiko auslösen, sondern spricht eher umgekehrt für eine Schutzwirkung. In diesem Zusammenhang, so Rost, sei die Hypothese interessant, daß ein aktiviertes Immunsystem möglicherweise in der Lage sei, durch körperliche Aktivität maligne Zellen besser zu erkennen und zu eliminieren. Jede Zelle hat ihr eigenes effektives und komplexes Abwehrsystem gegen den oxidativen Streß. Daran sind verschiedene Enzyme beteiligt wie Superoxid-Dismutase, Katalase und Glutathion-Peroxidase. Daneben sind die sogenannten Radikalfänger, die antioxidativ wirkenden Substanzen wie die Vit-amine E und C, Beta-Karotin oder Selen, von Bedeutung. Ob Antioxidanzien beim Sporttreibenden in besonderem Maße indiziert sind, sei noch nicht überzeugend dokumentiert worden, betonte Rost. Im Normalfall benötige aber der Sportler keine Substitution von Vitaminen. Die häufige Annahme, daß durch Vitamin E die Leistung gesteigert werden kann, konnte bisher weder im Tierversuch noch am Menschen bewiesen werden. Ursula Petersen
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