POLITIK

Doping: Bluttest erlaubt eindeutigen Nachweis von Gendoping

Dtsch Arztebl 2010; 107(37): A-1750 / B-1535 / C-1515

Böhm, Sonja

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Das neue Verfahren weist in normalen Blutproben selbst geringste Mengen der eingebrachten „transgenen“ DNA nach.

Es ist in der Regel ein ungleicher Wettkampf zwischen Dopingsündern im Sport und den Fahndern. Ein bisschen wie der Wettlauf zwischen Hase und Igel, bei dem die dopenden Athleten den Kontrolleuren immer eine Nasenlänge voraus waren. Doch diesmal ist es umgekehrt. Wenn es um sogenanntes Gendoping geht, triumphieren die Wissenschaftler: „Wir sind schon da!“ Denn Forscher der Universitäten Tübingen und Mainz haben einen Test entwickelt, mit dem sich Gendoping eindeutig nachweisen lässt.

Die verschiedenen Dopingformen sind unter anderem in Heft 8/2007 dargestellt worden.
Die verschiedenen Dopingformen sind unter anderem in Heft 8/2007 dargestellt worden.

Als Gendoping definiert die World Anti-Doping Agency (WADA) den Missbrauch einer somatischen Gentherapie, um die sportliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Dabei wird der Körper befähigt, quasi seine eigenen Dopingsubstanzen zu bilden. Mögliche Wirkstoffe für solches körpereigenes Doping wären zum Beispiel Wachstumsfaktoren für Gefäße und Muskulatur oder auch Erythropoetin. Vorsorglich hat die WADA das Gendoping schon im Jahr 2003 unter den verbotenen Strategien gelistet.

Auch wenn es Gendoping wahrscheinlich bislang noch nicht gebe, sei es „keine Science-Fiction“, sagt der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Dr. Perikles Simon von der Universität Mainz, der den Test gemeinsam mit Gentherapeut Prof. Dr. med. Michael Bitzer vom Universitätsklinikum Tübingen entwickelt hat. Im Tierversuch waren solche Gentransfers, die zum Beispiel mittels Viren vorgenommen werden, bereits erfolgreich. Und klinische Studien, um die Übertragung von Genen bei Krankheiten, etwa fortgeschrittenen Tumoren, therapeutisch zu nutzen, sind zum Beispiel an der Universität Tübingen derzeit in Planung.

Hält das Gendoping erst einmal im Hochleistungssport Einzug, haben die Fahnder ein echtes Problem – so dachte man bislang. Denn die vermehrt gebildeten Substanzen sind von den körpereigenen nicht zu unterscheiden. Doch das neue Verfahren setzt früher an: Es weist selbst winzigste Mengen der eingebrachten „transgenen“ DNA nach. Besonders attraktiv: Der Nachweis funktioniert aus konventionellen Blutproben und auch dann noch, wenn das Gendoping schon länger zurückliegt. Wahrscheinlich, meint Michael Bitzer von der Universität Tübingen, gelinge der Nachweis sogar so lange, wie das eingebrachte Gen aktiv sei.

Der Test liefere „eine klare Ja-Nein-Antwort“, ob transgene DNA vorhanden sei, erläutert Simon. Diese sei erkennbar, weil ihr „Introns“ fehlten, also nichtcodierende Abschnitte, die die natürliche DNA habe. Mit Hilfe der bei Gentest üblichen PCR-Methodik hätten die Wissenschaftler ein Protokoll entwickelt, mit dem der Nachweis auch kleinster Mengen von transgenem Erbgut in menschlichen Blutproben „mit hoher Spezifität und guter Reproduzierbarkeit“ gelinge, schreiben sie in ihrer jetzt online erschienenen Publikation (1).

Die WADA darf das Patent kostenfrei nutzen

Getestet haben sie das Nachweisverfahren an transgenen Mäusen und in mehr als 327 Blutproben von Leistungs- und Freizeitsportlern. Der Test ist relativ kostengünstig und einfach durchzuführen, man benötigt lediglich geschultes Personal und hohe Standards an Sicherheit und Sauberkeit im Labor, wie Simon und Bitzer erläutern. Sie besitzen zwar ein Patent auf ihren Test, doch die WADA – sie hat die Forschungsarbeiten finanziell unterstützt – kann es kostenfrei nutzen. Im Jahr 2012 könnte der Test breit einsetzbar sein.

Die Verfügbarkeit eines solchen Tests, so meinen die Wissenschaftler, könnte dazu beitragen, dass Gendoping gar nicht erst den Spitzensport erreiche. Simon: „Die Botschaft lautet: Wir können auch Gendoping nachweisen!“ Die Gefahr, bei den Kontrollen entdeckt zu werden, habe eine weit größere abschreckende Wirkung als das Gesundheitsrisiko, das die Sportler mit experimentellen, kaum erprobten Dopingmethoden eingingen, so seine Erfahrung.

Sonja Böhm

Anzeige

Beiter T et al.: Gene Therapy (2010), 1–7. Advance online publication, 2 September 2010; doi: 10.1038/gt.2010.122.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Alle Leserbriefe zum Thema

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

Anzeige