ArchivDeutsches Ärzteblatt37/2010Krankenhäuser: Pflegekräfte sollen entlastet werden

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Krankenhäuser: Pflegekräfte sollen entlastet werden

Dtsch Arztebl 2010; 107(37): A-1732 / B-1532 / C-1512

Hibbeler, Birgit

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Viele Aufgaben des Pflegepersonals in Krankenhäusern könnten andere Berufsgruppen erledigen – ohne Qualitätseinbußen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Deutschen Krankenhausinstituts.

Um Betten zu beziehen, braucht man nicht unbedingt eine dreijährige Ausbildung. Foto: Keystone
Um Betten zu beziehen, braucht man nicht unbedingt eine dreijährige Ausbildung. Foto: Keystone

Ob nun die Stationssekretärin oder der Hol- und Bringedienst: Dass neben den Pflegekräften noch andere Berufsgruppen Aufgaben im Krankenhaus übernehmen, ist nichts Neues. Aus Sicht des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) ist der Pflegedienst trotzdem an seiner Belastungsgrenze angekommen. Dem DKI zufolge sind in den vergangenen Jahren rund 15 Prozent der Pflegestellen abgebaut worden: Gab es 1995 in deutschen Krankenhäusern noch etwa 350 000 Pflegevollkräfte, waren es 2007 nur noch knapp 298 000. Unterdessen ist die durchschnittliche Verweildauer gesunken und der Anteil alter und multimorbider Patienten gestiegen. Zugleich werde es zunehmend schwieriger, Stellen mit qualifiziertem Fachpersonal zu besetzen.

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Das DKI schlägt deshalb vor, Pflegekräfte von Aufgaben zu entlasten, für die sie überqualifiziert sind. „Dadurch sollen die Kernkompetenzen des Pflegedienstes in den Vordergrund gerückt werden“, heißt es in der DKI-Studie „Neuordnung von Aufgaben des Pflegedienstes unter Beachtung weiterer Berufsgruppen“. Angefertigt wurde der Bericht im Auftrag der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Eine Delegation bisher pflegerischer Aufgaben an andere Berufsgruppen sei möglich, ohne dass die Qualität darunter leide. „Nicht jede Tätigkeit ist nur deswegen qualitativ hochwertig, weil sie von einer examinierten Pflegekraft durchgeführt wird“, schreiben die Autoren.

Ein Schwerpunkt der DKI-Studie ist eine Analyse der delegationsfähigen pflegerischen Tätigkeiten. Dazu werteten die Autoren unter anderem eine Befragung aus, an der sich 421 Pflegedienstleitungen von Kliniken beteiligten. Die Palette übertragbarer Arbeiten reicht dabei von einfachen, patientennahen Aufgaben (Erfassen von Essenswünschen) bis hin zu hauswirtschaftlichen Tätigkeiten (Bettenbeziehen).

Hilfspersonal könnte auch Körperpflege übernehmen

Auch in der Grundpflege können aber nach der DKI-Studie Nichtpflegekräfte zum Einsatz kommen. Ein Beispiel: die Hilfe bei der Körperpflege am Waschbecken. Als nicht übertragbar werden hingegen Aufgaben eingestuft, bei denen eine unsachgemäße Ausführung Patienten schädigen kann. Das gilt auch für Tätigkeiten, für die nicht nur handwerkliches Know-how notwendig ist, sondern bei denen es darum geht, den Gesundheitszustand des Patienten einzuschätzen.

Für das DKI stehen allerdings nicht einzelne Aufgaben im Vordergrund, sondern die Optimierung von Arbeitsabläufen. „Wer nur Tätigkeiten übertragen will, ohne Prozesse zu verändern, wird scheitern“, schreiben die Studienautoren. Eine Neuverteilung von Aufgaben hänge auch von den Rahmenbedingungen in den einzelnen Krankenhäusern ab. Wichtig sei eine entsprechende Einarbeitung und Qualifikation der Mitarbeiter, die Aufgaben aus der Pflege übernehmen.

Mit der Delegation pflegerischer Leistungen hofft man, gleich mehrere Probleme zu lösen. Der Fachkräftemangel im Krankenhaus betrifft schließlich nicht nur den Pflegedienst, sondern auch die Ärzte. Können die Pflegekräfte Arbeit an weniger qualifizierte Berufsgruppen abgeben, haben sie Zeit für anspruchsvollere Tätigkeiten. Das DKI spricht von einem „Kaskadeneffekt“. Konkret heißt es in der Studie: „Die examinierten Pflegekräfte werden von einfachen Tätigkeiten entlastet und könnten Aufgaben aus dem bisherigen ärztlichen Bereich übernehmen.“

Die neue Aufgabenverteilung könne den Pflegeberuf attraktiver machen, meint das DKI. Und schließlich habe die Übertragung von Tätigkeiten an weniger qualifiziertes Personal für die Krankenhäuser auch „eine ökonomische Dimension“.

Dr. med. Birgit Hibbeler

@Die DKI-Studie im Internet unter www.aerzteblatt.de/101732

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